Noch bis weit ins 19. Jahrhundert lebte die Mehrheit der Jüdinnen und Juden in Deutschland auf dem Land. In den Dörfern und kleinen Städten hatte sich über die Jahrhunderte hinweg eine vielfältige jüdische Kultur, Ökonomie und Topographie entwickelt, die in besonders enger räumlicher und sozialer Nachbarschaft zur nichtjüdischen Gesellschaft stand. Hier fanden Jüdinnen und Juden Aufnahme nach Vertreibungen aus den großen Städten, erlebten aber auch Anfeindungen, Schikanen und Ausgrenzungen. Der Nationalsozialismus hat diese Form jüdischen Lebens in Deutschland ebenso brutal wie endgültig zerstört. Die Konferenz untersucht das Landjudentum als bedeutenden, heute aber weithin vergessenen Teil der jüdischen Geschichte aus unterschiedlichen historischen Perspektiven und mit Blick auf verschiedene regionale Ausprägungen. Sie spannt dabei einen Bogen vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert.
Im Rahmen der Konferenz wird der erste Band des Synagogen-Gedenkbuch Hessen Zerbrechliche Nachbarschaft der Öffentlichkeit präsentiert. In Hessen bestanden besonders viele ländliche jüdische Gemeinden, zugleich aber auch wichtige städtische Zentren des Judentums. Das Gedenkbuch Zerbrechliche Nachbarschaft wird in seinen neun geplanten Bänden diese Geschichte auf umfassende Weise in ihrer großen Vielfalt und ihrem kulturellen Reichtum präsentieren, aber auch die stetige Bedrohung der jüdischen Gemeinden durch Judenfeindschaft und Antisemitismus bis hin zur nationalsozialistischen Verfolgung vergegenwärtigen.
Veranstalter: Buber-Rosenzweig-Institut für jüdische Geistes- und Kulturgeschichte der Moderne und Gegenwart, Goethe-Universität Frankfurt am Main Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland Institut für christlich-jüdische Studien und Beziehungen, Augustana-Hochschule Neuendettelsau Forschungsverbund Dynamiken des Religiösen, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Förderer: Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur
Ort: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1, PA-Gebäude (Sonntag) und Casino-Gebäude (Montag und Dienstag)
Programm
Sonntag (23.11.) ab 17 Uhr
Montag (24.11.) 10-19 Uhr
Dienstag (25.11.) 10-18 Uhr
Am Ende des Zweiten Weltkriegs trat Nathan Hilu, Sohn syrisch-jüdischer Einwanderer in New York, in die US Army ein und wurde als Wachsoldat beim Internationalen Militärtribunal gegen die Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg eingesetzt. Diese Erfahrung inspirierte ihn ein Leben lang zu künstlerischen Arbeiten. Er verbrachte die nächsten 70 Jahre damit, Zeichnungen und Skizzen seiner Erinnerung an diesen Einsatz anzufertigen. Aber was passiert, wenn diese Erinnerung ein Eigenleben entwickelt? Der Film von Elan Golod ist das Porträt eines alternden Künstlers. Was als Dokumentation eines einzigartigen Zeugen begann, wurde zu einer Studie über die Funktion der Kunst im Spannungsfeld von Archiv und Erfindung.
Elan Golod ist ein israelisch-amerikanischer Filmemacher. Sein Film NATHAN-ISM gewann den Yad Vashem Award als herausragender Dokumentarfilm mit Bezug zum Holocaust. Er war außerdem auf der Shortlist der International Documentary Association 2024.
Eine Kooperation des Fritz Bauer Instituts mit dem Jüdischen Museum Frankfurt und dem DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum
Filmscreening mit Zuschaltung des Regisseurs
Ort: Kino im Deutschen Filminstitut & Filmmuseum, Schaumainkai 41
Regie: Elan Golod, USA 2023, 79 Minuten, OmdU
Die sog. Frankfurter Silberinschrift im Kontext - Das älteste christliche Zeugnis nördlich der Alpen
Bei der "Frankfurter Silberinschrift" handelt es sich um eine 18-zeilige lateinische Gravur auf einer Silberfolie, die sich in einem Schutzamulett aus der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. befand. Professor Markus Scholz, Archäologe an der Goethe-Universität, war maßgeblich an der Entzifferung der Inschrift beteiligt.Der Vortrag findet als Kooperationsveranstaltung mit der Römischen-Germanischen Kommission und dem Deutschen Verband für Archäologie statt.
Ort: Leopold-Sonnemann-Saal des Historischen Museums Frankfurt
Website des Historischen Museums und Website der Freunde der Archäologie in Europa, sowie der Online Zugang zur Veranstaltung
Es gab nach 1945 wahrscheinlich mehr Antisemitismus, Rassismus und Hass auf Homosexuelle als im Nationalsozialismus. Der Vortrag schildert die Erfahrungen von überlebenden Juden und Sinti und Roma, von ehemaligen Zwangsarbeitern und Homosexuellen in Westdeutschland in der Nachkriegszeit. Das gängige Bild von der gelungenen Demokratisierung der Bundesrepublik bekommt durch diese Geschichten einen Riss. Die Erfahrungen der ehemals Verfolgten zeigen, dass der Hass und die Ressentiments gegen sie tief im Denken der Menschen verankert waren und es zum Teil bis heute sind.
Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum ist Historikerin und seit 2011 Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin sowie Sprecherin des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt – Standort Berlin.
Eine Kooperation des Fritz Bauer Instituts mit dem Forschungszentrum »Normative Orders« der Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung
Ort: Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 5 Hörsaalzentrum, Raum HZ 6
Website des Fritz-Bauer-Instituts und Website des Forschungszentrums Normative Orders
Potentiale und Herausforderungen großer Sprachmodelle für die mediävistische Forschung
Ein Vortrag von Prof. Dr. Michael Schonhardt (Darmstadt)
In dieser Woche findet die Veranstaltung gemeinsam mit dem Kolloquium Frühe Neuzeit statt.
Im Frankfurter kulturwissenschaftlichen Forschungskolloquium zu vormodernen Gesellschaften 400-1600 werden aktuelle Problemstellungen mit auswärtigen Gästen diskutiert. Das Kolloquium steht allen Interessierten offen – bitte melden Sie sich entweder über das OLAT an oder kommen Sie einfach vorbei!Die Vorträge finden alternierend mit Vorträgen aus der Reihe der Mittwochskonferenzen des Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften statt, bitte beachten Sie deren abweichende Räumlichkeiten.
Ort: Westendcampus, IG-Farbengebäude, IG 0.254