Die Abteilung Geschichte der Frühen Neuzeit vertritt in Forschung und Lehre die europäische Geschichte von der Reformation bis in das beginnende 19. Jahrhundert, einschließlich der Geschichte der europäischen Expansion und der frühen Kolonialisierung. Dies bezieht sich auf die Sozial-, Wirtschafts-, Verfassungs- und Konfessionsgeschichte ebenso wie auf die Ideengeschichte.
Die DFG-Kolleg-Forschungsgruppe „Polyzentrik und Pluralität vormoderner Christentümer (POLY)“ beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Strömungen des Christentums in vorindustrieller Zeit und den Dynamiken und Verflechtungen, die von ihnen ausgehen.
Das Ziel der Kolleg-Forschungsgruppe ist es, die Vielfalt der Christentümer terminologisch wie konzeptionell neu zu fassen und ein Modell für die Zeit von circa 30 n. Chr. bis 1800 zu entwerfen, das transkonfessionelle Zusammenhänge erschließt, die Handlungsmacht aller Akteur*innen in und neben den Kirchen ernst nimmt und den Beitrag der Christentümer zur globalen Vernetzung deutlicher als bisher herausarbeitet.
Die Kollegforschungsgruppe POLY wird von Prof. Dr. Birgit Emich und Prof. Dr. Hartmut Leppin geleitet.
How do global systems of governance operate? How do universalist beliefs work on the ground? And how do their operators, invisible bureaucrats surveying the world from their writing desks, tick?
Returning to the messy work floor of the early modern bureaucrat, GRACEFUL 17 is working to establish an experimental platform to access, quantify, analyse, and visualise the vast materials pertaining to highly resilient, bureaucratic regimes of grace that the papacy maintained through the Roman Dataria Apostolica. In particular, it focuses on the papal provision of (lower and middling) ecclesiastical offices (benefices) across the four “corners“ of the early modern world.
Combining expertise from France, Germany, and beyond, GRACEFUL 17 builds on a partnership between the École nationale des chartes in Paris, the Goethe University at Frankfurt a. M., the University of Reims-Champagne-Ardenne and the two corresponding research institutes in Rome, the Deutsches Historisches Institut in Rom and the École française de Rome. This transnational partnership underpins the platform required for its eminently transnational research program. GRACEFUL 17 aims to capture this fluid empire of grace by combining classical historical research on largely serial archival sources in archives of the Holy See with research tools furnished by the digital humanities.
The principal investigators of GRACEFUL 17 are Prof. Dr. Birgit Emich and Prof. Dr. Olivier Poncet.
Die Forschungsgruppe wird von Prof. Dr. Birgit Emich, Prof. Dr. Roland Hardenberg, Prof. Dr. Hartmut Leppin und Prof. Dr. Xenia von Tippelskirch geleitet.
Dr. Natalie Krentz, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
Mit der Plünderung und Beutenahme von Archiven und deren Transport durch ganz Europa kam es im Dreißigjährigen Krieg zur umfangreichsten räumlichen Verschiebung von Archivgut der Frühen Neuzeit. Das Projekt untersucht diese „Reise der Akten“ im Zusammenhang frühneuzeitlicher politischer Wissenskulturen, die sich im 17. Jahrhundert insgesamt im Umbruch befanden und – so die leitende Annahme des Projekts – in der europäischen Krise des Dreißigjährigen Krieges in besonderem Maße relevant wurden.
Níels Páll Eggerz / Elke Morlok (Projektbeginn: 01. Oktober 2022)
Teilprojekt des DFG-Schwerpunktprogramms 2357 „Jüdisches Kulturerbe“
https://spp-juedisches-kulturerbe.de/
Ziel des Projekts ist eine umfassende (Re-)Integration der christlichen Kabbala in die europäische Geistesgeschichte, indem die jeweiligen Projektionen auf die Kabbala und das Judentum im Allgemeinen sowie deren historische Entwicklungen detailliert herausgearbeitet werden. Es verfolgt damit eine grundlegende Neuordnung dieses Forschungsfeldes. Dabei betrachten wir die christliche Auseinandersetzung mit der Kabbala als Schlüsselphänomen für das Verständnis der verschiedenen frühneuzeitlichen Zugänge zu jüdischen Traditionen und Schriften als immaterielles Kulturerbe zwischen Judentum und Christentum. Nachdem sie die Abhängigkeit von jüdischen Informanten überwunden hatten, entwickelten christliche Gelehrte eigene, wirkmächtige Vorstellungen von Kabbala. Diese –und damit auch die jeweiligen Aneignungen – unterschieden sich je nach Konfession und wurden oft in innerchristlicher oder innerkonfessioneller Polemik instrumentalisiert – meist begleitet von einer weitgehend sinnentleerten missionarischen Rhetorik. Darüber hinaus war die christliche Beschäftigung mit der Kabbala mit politischen Überlegungen verschiedener Herrscher verflochten, die christliche Kabbalisten in ihren Widmungen und Vorreden direkt ansprachen. Die komplexe Dynamik der Entstehung und Entwicklung der christlichen Kabbala war so einflussreich, dass sie bis heute sowohl die christlichen als auch die jüdischen Vorstellungen von Kabbala prägt – ebenso wie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit derselben. Die Entfaltung dieses vielschichtigen Transformationsprozesses von der jüdischen zur christlichen Kabbala und wieder zurück ins Judentum als Teil der europäischen Geistes- und Wissenschaftsgeschichte ist Gegenstand dieses Projekts. Es leistet damit einen Beitrag zur jüdisch-christlichen Ideengeschichte, Judaistik, Kulturwissenschaft, Religionswissenschaft-, und frühneuzeitlichen Geschichte sowie zu den verschiedenen christlichen Theologien. Darüber hinaus bietet es einen Ausgangspunkt für weitere Forschungen zu Fragen des interkulturellen und interreligiösen Austauschs.