Dr. Natalie Krentz

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt

"Archive als Kriegsbeute im Dreißigjährigen Krieg"

Mit der Plünderung und Beutenahme von Archiven und deren Transport durch ganz Europa kam es im Dreißigjährigen Krieg zur umfangreichsten räumlichen Verschiebung von Archivgut der Frühen Neuzeit. Das Projekt untersucht diese „Reise der Akten“ im Zusammenhang frühneuzeitlicher politischer Wissenskulturen, die sich im 17. Jahrhundert insgesamt im Umbruch befanden und – so die leitende Annahme des Projektes – in der europäischen Krise des Dreißigjährigen Krieges in besonderem Maße relevant wurden.

Warum wurden Archive überhaupt in einem so großen Ausmaß als Beute genommen und mit erheblichem Aufwand durch ganz Europa transportiert? Erste Befunde zeigen, dass die Kriegsparteien die Akten zur administrativen Bestandsaufnahme über die eroberten Gebiete verwendeten, ebenso als Rechtsdokumente zur Behauptung von Herrschaftsansprüchen, zur Beschaffung strategischer Informationen und zur symbolisch-repräsentativen Demonstration der Überlegenheit der Sieger. Mit der Veröffentlichung zentraler Dokumente in Flugschriften wurden die geraubten Archivalien schließlich auch zur Diffamierung der politischen Gegner eingesetzt, um deren (vermeintliches) Agieren gegen Kaiser und Reich offenzulegen. Hier kam den Originaldokumenten im allseitigen Klima des Misstrauens offenbar eine zentrale Funktion zur Stiftung von Glaubwürdigkeit zu.

Daneben gerieten zahlreiche geraubte Archivalien nach Plünderungen auch auf irreguläre Märkte und wurden so zu Handelsgütern: Aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen gerissen wurden sie etwa zunächst um des bloßen Materialwertes an Papier und Siegelwachs willen geplündert, konnten aber erneut hohen symbolischen und antiquarischen Wert erhalten, wenn sie über Händler in ausländische Bibliotheken und Sammlungen gelangten.

  • seit September 2020: wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Frankfurt am Main
  • April 2010 bis September 2020: wissenschaftliche Mitarbeiterin und anschließend akademische Rätin auf Zeit am Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Erlangen-Nürnberg
  • 2016 und 2020: Mutterschutz und Elternzeit
  • September 2014: Short-Term Fellowship des Deutschen Historischen Instituts in Washington D.C. für einen Forschungsaufenthalt in Boston, MA
  • Juli 2012: Promotion im Fach Neuere Geschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg mit der Arbeit „Ritualwandel und Deutungshoheit. Die Frühe Reformation in der Residenzstadt Wittenberg 1500-1533“, ausgezeichnet mit dem Promotionspreis der Stadtler Stiftung Nürnberg
  • April bis September 2011: Stipendium der Philosophischen Fakultät der Universität Erlangen zur „Förderung besonders begabter Nachwuchswissenschaftlerinnen“ für einen Aufenthalt als Gastwissenschaftlerin an der Herzog-August Bibliothek Wolfenbüttel
  • Oktober 2009 bis März 2012: Promotionsstudium als Stipendiatin am DFG-Graduiertenkolleg „Gesellschaftliche Symbolik im Mittelalter“ und anschließend wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne“ an der Universität Münster
  • 1999 bis 2005: Studium der Neueren Geschichte, der Politikwissenschaften und des Öffentlichen Rechts an der Universität Freiburg und am Trinity College Dublin
  • Geschichte politischer Kommunikation im Dreißigjährigen Krieg
  • Archivgeschichte
  • Reformationsgeschichte
  • Stadtgeschichte
  • Geschlecht und Diversität in historischer Perspektive
I. Monografie
  • Ritualwandel und Deutungshoheit. Die frühe Reformation in der Residenzstadt Wittenberg (1500-1533) (Spätmittelalter, Humanismus, Reformation – Studies in the Late Middle Ages, Humanism and the Reformation), Tübingen 2014.
II. Herausgeberschaften
  1. Zusammen mit Mona Garloff, Ordnung über Distanzen hinweg: Inventare, Listen und das Verzeichnen von Objekten zwischen Räumen und Zeiten (MEMO – Medieval and Early Modern Material Culture Online, Special Issue 1)[erscheint Juni 2022].
  2. Zusammen mit Moritz Florin und Victoria Gutsche, Diversität historisch. Repräsentationen und Praktiken gesellschaftlicher Differenzierung im Wandel, Bielefeld 2018.
  3. Zusammen mit Elizabeth Harding, Symbolik in Zeiten von Krise und gesellschaftlichem Umbruch. Vormoderne Ordnung im Wandel, Münster 2011.

III. Aufsätze
  1. Zusammen mit Moritz Florin und Victoria Gutsche, Diversity – Gender – Intersektionalität. Überlegungen zu Begriffen und Konzepten historischer Diversitätsforschung, in: Diess. (Hgg.), Diversität historisch. Repräsentationen und Praktiken gesellschaftlicher Differenzierung im Wandel, Bielefeld 2018, 9-32.
  2. The Early Roots of Confessional Memory. Martin Luther Burns the Papal Bull on 10 December 1520, in: David Luebke, Elizabeth M. Plummer and Carina Johnson (Hgg.), Archaeologies of Confession: Writing the German Reformations, 1517-2017, Burlington 2017, 315-348.
  3. The Making of the Reformation. The Early Urban Reformation Between Continuity and Change, in: Reformation and Renaissance Review 19,1 (2017), 30-49.
  4. Die Breitenwirkung der Reformation, in: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (Hg.), Martin Luther. Aufbruch in eine neue Welt, Dresden 2017, 74-82.
  5. Gottlos oder nützlich? Theologische und politische Reflexionen über Rituale in der frühen Wittenberger Reformation, in: Dominik Fugger, Benedikt Kranemann und Jenny Lagaude (Hgg.), Ritual und Reflexion. Beiträge zur Vermessung eines Spannungsfeldes, Darmstadt 2015, 35-54.
  6. Luther im lokalen Kontext: Zeitgenössische Durchsetzung und langfristige Traditionsbildung in der Wittenberger Reformation, in: Heinz Schilling (Hg.), Der Reformator Martin Luther 2017 (Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 92), Oldenburg 2014, 109-131.
  7. Von der Messestörung zur Gottesdienstordnung. Die Entstehung einer protestantischen Liturgie im städtischen Kontext, in: Jan Brademann, Werner Freitag und Kristina Thiess (Hgg.), Liturgie als soziale Praxis. Forschungen zur symbolischen Kommunikation im konfessionellen Zeitalter, Münster 2014, 161-189.
  8. Zusammen mit Elizabeth Harding, Einleitung, in: Elizabeth Harding und Natalie Krentz (Hrsg.), Symbolik in Zeiten von Krise und gesellschaftlichem Umbruch. Vormoderne Ordnung im Wandel, Münster 2011, 9-18.
  9. Reformation und Herrschaftsrepräsentation. Das Begräbnis Friedrichs des Weisen, Kurfürst von Sachsen (1525), in: Elizabeth Harding/Natalie Krentz (Hgg.), Symbolik in Zeiten von Krise und gesellschaftlichem Umbruch. Vormoderne Ordnung im Wandel, Münster 2011, 115-130.
  10. Auf den Spuren der Erinnerung. Wie die „Wittenberger Bewegung“ zu einem Ereignis wurde, in: Zeitschrift für historische Forschung 36 (2009), 563-595.
IV. Lexikon- und Handbuchartikel
  1. Artikel „Kirchenordnung und Visitation“, in: Philipp Melanchthon. Der Reformator zwischen Glauben und Wissen. Ein Handbuch, hg. von Günther Frank, Berlin 2017, 125-140.
  2. Artikel „Leichenpredigten auf Luther“, in: Das Luther Lexikon, hg. von Volker Leppin und Gury Schneider-Ludorff, Regensburg 2014, 381-383.
  3. Artikel „Wittenberger Unruhen“, in: Das Luther Lexikon, hg. von Volker Leppin und Gury Schneider-Ludorff, Regensburg 2014, 772-773.
  4. Artikel „Kleidung Luthers“, in: Das Luther Lexikon, hg. von Volker Leppin und Gury Schneider-Ludorff, Regensburg 2014, 358-360.
  5. Artikel „Das BDM-Werk ‚Glaube und Schönheit'“, in: LEMO, Lebendiges Museum Online, Deutsches Historisches Museum (DHM) Berlin, URL: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/ns-organisationen/bdmglaube/
  6. Artikel „Der Bund Deutscher Mädel (BDM)“, in: LEMO, Lebendiges Museum Online, Deutsches Historisches Museum (DHM) Berlin, URL: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/ns-organisationen/bund-deutscher-maedel.html
Rezensionen
  1. Rezension zu: Marcel Lepper/ Ulrich Raluff (Hgg.), Handbuch Archiv. Geschichte – Aufgaben – Perspektiven, Stuttgart 2016, in: Germanistik 57 (2016), 3047.
  2. Rezension zu: Lyndal Roper, Der feiste Doktor. Luther, sein Körper und seine Biographen, Göttingen 2012, in: Zeitschrift für historische Forschung 43,1 (2016), 176.
  3. Rezension zu: Stefan Michel und Christian Speer (Hgg.), Georg Rörer (1492-1557). Der Chronist der Wittenberger Reformation, Leipzig 2012, in: Zeitschrift für historische Forschung 42,3 (2015), 331-333.
  4. Rezension zu: Michele Zelinsky Hanson, Religious Identity in an Early Reformation Community. Augsburg 1517-1555, in: Zeitschrift für historische Forschung 38 (2011), 520-522.
  5. Rezension zu: Rolf Kießling, Thomas Max Safley und Palmer Wandel (Hgg.), Im Ringen um die Reformation. Kirchen und Prädikanten, Rat und Gemeinden in Augsburg, Epfendorf/Neckar 2011, in: H-Soz-u-Kult 28.05.2013/rezensionen/2013-2-145.
  6. Rezension zu: Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts, begr. von Emil Sehling, hg. von Gottfried Seebaß und Eike Wolgast, Bd. 17: Baden-Württemberg III, IV: Südwestdeutsche Reichsstädte, Teilband 1: Schwäbisch Hall, Heilbronn, Konstanz, Isny und Gegenbach; Teilbd. 2: Reutligen, Ulm, Esslingen, Giengen, Biberach, Ravensburg, Wimpfen, Leutkirch, Popfingen, Aalen, bearb. von Sabine Arend, Tübingen 2007 und 2009, in: Zeitschrift für historische Forschung 38 (2011), 523-526.

Kontakt

Dr. Natalie Krentz
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