Forschungsprojekte

Die Geschichte der Goethe-Universität Frankfurt am Main im Nationalsozialismus und in der frühen Bundesrepublik

Ziel des Projekts ist es zu eruieren, in welchem Zusammenhang politische Anschauungen und wissenschaftliche Forschung an der Universität Frankfurt am Main standen. Der zeitliche Fokus ist auf die nationalsozialistische Herrschaft, ihre Vorgeschichte und die frühe Bundesrepublik Deutschland gerichtet. Gefragt wird nach dem Zusammenhang von Politik und Wissenschaft: Wie wurde an der Universität Politik als Wissenschaft verstanden? Und wie wurde Wissenschaft politisiert? Das Forschungsprojekt beginnt mit einer Explorationsphase, in der Archivrecherchen im In- und Ausland durchgeführt werden. Auf der Basis dieser Recherchen wird eine Vorstudie verfasst, die Grundlage für ein größeres Anschlussprojekt in Verbindung mit einer Projektgruppe sein wird.

Das Projekt wird von der Johanna-Quandt-Stiftung und der Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung gefördert.

Projektleitung:
Prof. Dr. Sybille Steinbacher und Prof. Dr. Moritz Epple

Mitarbeiter:

Jason Lemberg MA

Jason Lemberg ist seit 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust. Am Fritz Bauer Institut bearbeitet er ein Projekt zur Geschichte der Goethe-Universität Frankfurt am Main im Nationalsozialismus und in der frühen Bundesrepublik. Im Rahmen seiner Dissertation forscht er seit 2018 zur Geschichte der Rüstungsforschung an der Goethe-Universität in der NS-Zeit.
Er hat von 2010 bis 2013 ein Bachelorstudium der Geschichtswissenschaften und von 2014 bis 2016 ein Masterstudium der Zeitgeschichte absolviert, beides an der Universität Wien. In seiner Abschlussarbeit untersuchte er die politischen und propagandistischen Funktionen des Wohnungsbaus in der DDR. Er arbeitete im Rahmen von Praktika im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und in der Redaktion zeit.geschichte des Kultur- und Informationssenders ORF III. In den Jahren 2013 und 2014 war er am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien als studentischer Mitarbeiter und Tutor tätig.

Forschungsinteressen:
› Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus
› Wirtschafts- und Sozialgeschichte der DDR

Rechtsradikalismus in Deutschland nach 1945

In dem Projekt sollen Konjunkturen des Rechtsradikalismus seit Kriegsende in den Blick genommen und im Zusammenhang mit zeithistorischen Entwicklungen analysiert werden. Es wird nach den Wandlungen, Kontinuitäten und Aktualisierungen des Phänomens Rechtsradikalismus gefragt. Welche Rolle kam der Aktivität von Jugendbünden und Wehrsportgruppen bei der Herausbildung rechter Lebenswelten und Gewaltdynamiken zu? Führten gesellschaftliche Entwicklungen zu Radikalisierungen im rechten Lager und beeinflussten rechtsradikale Kampagnen umgekehrt den Diskurs in der deutschen Öffentlichkeit? Waren personelle Netzwerke ehemaliger Nationalsozialisten entscheidend für die Etablierung neonazistischer Positionen? Das Verhältnis zwischen rechtem Rand und demokratischer Mehrheitsgesellschaft soll in dem Projekt ebenso Betrachtung finden wie wechselseitige Bezüge zwischen beiden deutschen Staaten.


Das Projekt wird von der Schleicher-Stiftung gefördert.

Projektleitung:
Prof. Dr. Sybille Steinbacher

Mitarbeiter:
Dr. Niklas Krawinkel

Niklas Krawinkel studierte Neuere und Neueste Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Soziologie in Frankfurt am Main, Berlin und Potsdam. Von 2013 bis 2018 bearbeitete er ein von der Stadt Tübingen gefördertes Forschungsprojekt zum Tübinger Nachkriegs-Oberbürgermeister und vormaligen SA-Standartenführer, NS-Diplomaten und Volkstumsreferenten in der Slowakei, Hans Gmelin. Seine Doktorarbeit mit dem Titel »Hans Gmelin 1911–1991. Betrachtungen zu Nationalsozialismus und Demokratie, Gemeinschaft und Ausgrenzung« entstand bei Prof. Dr. Eckart Conze an der Philipps-Universität Marburg. Seit Mai 2018 ist Niklas Krawinkel wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust im Forschungsprojekt zur Geschichte des Rechtsradikalismus in Deutschland seit 1945.

Forschungsinteressen:

› Geschichte und Nachgeschichte des Nationalsozialismus
› Geschichte der deutschen Außen- und Volkstumspolitik in Ostmitteleuropa
› Geschichte des Rassismus und Rechtsradikalismus in Deutschland

Veröffentlichung:
› Belastung als Chance. Hans Gmelins politische Karriere im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik Deutschland, Göttingen 2020.
› »Rassismus und Gemeinschaftserfahrung. Biographische Einblicke in die Juden- und Volkstumspolitik in der Slowakei 1941–1945«, in: Jörg Osterloh/Katharina Rauschenberger (Hrsg.), Der Holocaust. Neue Studien zu Tathergängen, Reaktionen und Aufarbeitungen, Jahrbuch 2017 zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, Frankfurt am Main 2017, S. 121–139


Der Raub an der jüdischen Bevölkerung in Europa

Im Mittelpunkt des Habilitationsprojekts steht das Phänomen des Raubes an der jüdischen Bevölkerung in Europa zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Gefragt wird nach den Mechanismen, mit denen das nationalsozialistische Deutschland und seine Verbündeten in den okkupierten und kollaborierenden Ländern den Raub an der jüdischen Bevölkerung vollzogen. Die Frage der Restitution wird ebenso in den Blick genommen. Die Arbeit, die eine qualitative, keine quantitative Auswertung vornimmt, verfolgt eine integrierte Geschichtsschreibung, wobei der Fokus insbesondere auf die Perspektive der Verfolgten gelegt wird. Der organisierte und spontane Raub wird als ein Element jener Dynamik verstanden, die zum Holocaust führte. Der Fokus der Analyse liegt einerseits auf räumlichen und zeitlichen Entwicklungen, andererseits auf der Ebene von institutionellen und individuellen Akteuren und Akteurinnen. Das Vorhaben, einen länderübergreifenden, auf Ost- und Westeuropa gleichermaßen gerichteten Ansatz zu verfolgen, wird durch die neue umfassende Quellenedition »Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945« (VEJ) erheblich erleichtert, auf die sich die Arbeit als Ausgangspunkt stützt. Das Projekt soll einen Beitrag zur Kontextualisierung des Holocaust sowie zur Untersuchung von materiellen Aspekten der Verfolgungs- und Mordpolitik bis in die Gegenwart leisten.

Projektleitung:
Prof. Dr. Sybille Steinbacher

Mitarbeiter:
Dr. Veronika Duma

Veronika Duma ist seit 2019 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl zur Geschichte und Wirkung des Holocaust an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Sie hat Geschichte an der Universität Wien studiert und mit einer geschlechterhistorischen, biografischen Arbeit zu der österreichischen Sozialdemokratin, Überlebenden des Konzentrationslagers Ravensbrück und Zeitzeugin Rosa Jochmann promoviert. Sie hat unter anderem am Institut für Geschichte in Wien gearbeitet und absolvierte mit dem Marietta Blau-Stipendium des Österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung Studienaufenthalte in Deutschland und den USA.

Forschungsinteressen:
› Nationalsozialismus, Faschismus
› Gedenk- und Erinnerungspolitik
› Frauen- und Geschlechterforschung
› Biografisches Arbeiten

Veröffentlichung:
› Rosa Jochmann. Politische Akteurin und Zeitzeugin, 2. Aufl., Wien 2020 (zuerst 2019).
› (Hrsg., mit Linda Erker, Veronika Helfert und Hanna Lichtenberger), Perspektivenwechsel. Geschlechterverhältnisse im Austrofaschismus, Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 27 (2016), H. 3.
› Engagierte Wissenschaft. Die Sozialwissenschaftlerin Käthe Leichter, in: Christoph Reinprecht, Andreas Kranebitter (Hrsg.), Die Soziologie und der Nationalsozialismus in Österreich. Sondierungen und Perspektiven, Wien 2019, S. 159–17.

Kontakt

Jason Lemberg MA

Lehrstuhl zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Historisches Seminar
Raum IG 5.354
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main

Telefon: +49 (0)69.798 319-02
E-Mail:
jason.lemberg@em.uni-frankfurt.de



Dr. Niklas Krawinkel

Lehrstuhl zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Historisches Seminar
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main

Telefon:  +49 (0)69.798 322-10
E-Mail:
krawinkel@em.uni-frankfurt.de