Endphase 1944/45. Das letzte Kriegsjahr im Zweiten
Weltkrieg
Prof. Dr. Sybille Steinbacher
Seminar
21. April 2026 bis 14. Juli 2026
dienstags, 12:00–14:00
Uhr, SH 4.107
Chaos, Willkür und Terror nach innen, der sich nun auch gegen sie
sogenannte Volksgemeinschaft richtete, kennzeichneten das
nationalsozialistische Regime im letzten Jahr seiner Existenz. Aber es setzte
auch eine umfassende Neuorganisation des KZ-Systems ein, im Vernichtungslager
Auschwitz-Birkenau erreichte ferner der systematische Massenmord an den
europäischen Juden einen letzten Höhepunkt und im Deutschen Reich war die Zahl
der vor allem aus Osteuropa verschleppten Zwangsarbeiter – Männer wie Frauen,
die für die Rüstungswirtschaft ausgebeutet wurden – auf Rekordhöhe. Trotz der
Luftangriffe auf deutsche Städte und wenngleich alliierte Truppen im Juni 1944
in der Normandie gelandet waren, hatte das NS-Regime noch die Kraft, den Krieg
bis zum Frühjahr 1945 fortzusetzten. Im Seminar geht es darum, die politischen,
sozialen, wirtschaftlichen und militärgeschichtlichen Zusammenhänge der
Endphase zu beleuchten und die beispiellose Radikalisierung dieser Monate
anhand von Quellen in ihren vielfältigen Facetten zu erschließen.
Die Anmeldung ist ab dem 1. März 2026 über OLAT möglich: https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/26450460672/CourseNode/1765266414438787002
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist
eingerichtet.
Einführende Literatur
- Sven Keller: Volksgemeinschaft
am Ende. Gesellschaft und Gewalt 1944/45, München 2013
Ian Kershaw: Das
Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45, München 2011 - Martin Clemens
Winter: Gewalt und Erinnerung im ländlichen Raum. Die deutsche Bevölkerung
und die Todesmärsche, Berlin 2018
Neuere Forschungen
zur Geschichte und Wirkung des Holocaust
Prof. Dr. Sybille
Steinbacher
Forschungskolloquium
21. April 2026 bis 14. Juli 2026
Dienstags,
18:00–20:00 Uhr, IG 0.254
Im Forschungskolloquium werden laufende Untersuchungen
und jüngst abgeschlossene Studien zur Geschichte und Wirkung des Holocaust
vorgestellt und diskutiert. Es richtet sich an fortgeschrittene Studierende der
Geschichte, an Examenskandidaten und -kandidatinnen, Promovierende,
Habilitierende und wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im
Fachbereich Geschichte.
Israel und die Deutschen. Annäherungen und Konflikte
nach dem Holocaust
apl. Prof. Dr. Tobias
Freimüller
Übung
22. April 2026 bis 15. Juli 2026
mittwochs, 14:00–16:00
Uhr, SH 1.107
Das Verhältnis des 1948 gegründeten Staates Israel und der im
Folgejahr entstandenen beiden deutschen Staaten blieb angesichts des »Zivilisationsbruchs«
der Shoah über Jahrzehnte außerordentlich belastet. In Israel stand zunächst
jeder Kontakt zu Deutschland unter einem »Bann«, die schwierige Frage finanzieller
»Wiedergutmachung« bot gleichwohl Anlass, ins Gespräch zu kommen. Auch nachdem
1965 diplomatische Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik etabliert
worden waren, blieben diese heikel. Die DDR öffnete sich überhaupt erst in den
letzten Jahren ihrer Existenz dem Gespräch mit Israel.
Gegenstand dieser Übung ist nicht nur die Geschichte politischer
Beziehungen. Behandelt werden auch gesellschaftliche Entwicklungen wie frühe
Besuche deutscher Studiengruppen und das widersprüchliche Verhältnis der
westdeutschen Linken zu Israel. Zäsuren wie der Eichmann-Prozess 1961 und der
Sechstagekrieg 1967 werden ebenso diskutiert wie die Popularität israelischer
Musik und Satire in der Bundesrepublik der 1970er Jahre. Zu fragen ist nach der
Stellung des sich erst allmählich ausbildenden Sprechens über den Holocaust und
danach, welche Bedeutung Israel für Jüdinnen und Juden im Nachkriegsdeutschland
hatte.
Die Anmeldung ist ab dem 1. März 2026 über OLAT möglich: https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/26265387014/CourseNode/93668888136022
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist
eingerichtet.
Einführende Literatur
- Dan Diner: Rituelle Distanz. Israels deutsche Frage,
München 2015
- Yeshayahu A. Jelinek: Deutschland und Israel 1945–1965.
Ein neurotisches Verhältnis, München 2004
- Angelika Timm: Hammer, Zirkel, Davidstern. Das
gestörte Verhältnis der DDR zu Zionismus und Staat Israel, Bonn 1997
Der Finanzplatz Frankfurt im Nationalsozialismus
PD Dr. Friederike Sattler
Übung
28. April 2026 bis 14. Juli 2026
dienstags, 10:00–12:00 Uhr, SP 1.02
Der Finanzplatz
Frankfurt erfuhr im Nationalsozialismus eine starke Veränderung: Bei sämtlichen
Kreditinstituten sahen sich jüdische Inhaber, Beschäftigte und Kunden mit einer
rigiden Verdrängungspolitik, der sukzessiven Vernichtung ihrer beruflichen Existenz
und schließlich dem vollständigen Vermögensentzug konfrontiert. Die Übung fragt
danach, wie die Frankfurter Sparkassen, Regionalbanken und Großbankfilialen mit
ihren jüdischen Beschäftigten und Kunden umgingen, in welcher Weise sie an der »Arisierung«
von Gewerbe und Immobilien beteiligt waren und welche Rolle sie als
verlängerter Arm der staatlichen Finanzverwaltung beim Einzug jüdischer
Vermögen spielten. Und welchen Beitrag leisteten sie später bei den Bemühungen
um Restitution, Entschädigung und Wiedergutmachung? Angesichts des
unzureichenden Forschungsstandes liegt ein Schwerpunkt der Übung auf dem
Studium neu erschlossener Primärquellen aus staatlichen und privaten Archiven.
Die Anmeldung ist ab
dem 1. März 2026 über OLAT möglich: https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/26687864832/CourseNode/103339251084061
Die Teilnehmerzahl ist
auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet.
Einführende Literatur
- Carl-Ludwig
Holtfrerich: Finanzplatz Frankfurt. Von der mittelalterlichen Messestadt zum
europäischen Bankenzentrum, München 1999
- Christoph
Cornelißen/Sybille Steinbacher (Hrsg.), Frankfurt am Main und der
Nationalsozialismus, Göttingen 2024
- Friederike Sattler u.
a.: 200 Jahre Frankfurter Sparkasse, Stuttgart 2023
Umkämpfte Demokratie in Europa. Geschlechterhistorische
Perspektiven auf den Aufstieg des Autoritarismus
Dr. Veronika Duma
Übung
20. April 2026 bis
13. Juli 2026
montags, 14:00–16:00
Uhr, SP 0.01
Der Aufstieg autoritärer Politikformen sowie die zunehmende
Infragestellung demokratischer Errungenschaften haben insbesondere in den
Sozialwissenschaften zu einer verstärkten wissenschaftlichen Auseinandersetzung
mit dem Phänomen des Autoritarismus geführt. Die Übung nähert sich diesem
Themenfeld aus einer geschlechterhistorischen Perspektive. Eine Gemeinsamkeit
autoritärer Bewegungen und Regierungen über verschiedene historische
Konstellationen hinweg ist die Konstruktion von Geschlechtergleichheit und -vielfalt
als ideologische Bedrohung. Inwiefern können Mobilisierungen gegen
Geschlechtergleichheit und -vielfalt als Indikatoren antidemokratischer
Projekte verstanden werden? Die Übung nimmt die wechselseitigen Verschränkungen
von Angriffen auf die Demokratie, auf Geschlechtergerechtigkeit und den
Aufstieg des Autoritarismus den Blick und verortet diese Entwicklungen in einem
historischen und vergleichenden Kontext.
Die Anmeldung ist ab dem 1. März 2026 über OLAT möglich. https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/26701725696.
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet.
Einführende Literatur
- Isabel Heinemann/Alexandra Minna Stern: Gender and Far-Right
Nationalism. Historical
and International Dimensions. Introduction, in: Journal of Modern European History 20
(2022) 3, S. 311–321
- Andrea Pető: Gender
and Illiberalism, in: András Sajó/Renáta Uitz/Stephen Holmes (eds.).
Routledge Handbook of Illiberalism, New York 2021, S. 313–325
- Oliver Rathkolb/Sybille
Steinbacher (eds.): Authoritarian Trends and Parliamentary Democracy in
Europe, Göttingen 2025
Kollaboration und
Widerstand in Europa während des Zweiten Weltkrieg
Dr. Veronika Duma
Proseminar
21. April 2026 bis 14. Juli 2026
dienstags, 10:00–13:00
Uhr, SH 3.107
Das Proseminar bietet eine
Einführung in die Geschichte sowie die Historiographie von Widerstand und
Kollaboration. Es vermittelt einen Überblick über das besetzte Europa und die
Achsenmächte während des Zweiten Weltkriegs und widmet sich dabei zentralen
Fragestellungen: Welche Akteure leisteten Widerstand, welche kollaborierten? In
welchen europäischen Ländern fand das NS-Regime Verbündete? Welche
unterschiedlichen Formen von Widerstand und Kollaboration lassen sich
identifizieren, und welche Motivationen lagen ihnen zugrunde? Schließlich wird
untersucht, wie Widerstand und Kollaboration im Nachkriegseuropa
gesellschaftlich verhandelt wurden.
Anhand des Proseminarthemas
werden Methoden und Techniken des geschichtswissenschaftlichen Arbeitens
erlernt – von der Literatur- und Quellenrecherche über das Lesen von Texten bis
hin zu den Zitierregeln. Die Studierenden werden auf das Verfassen der Abschlussarbeit
vorbereitet.
Einführende Literatur
- Martina Bitunjac/Julius H. Schoeps (eds.): Complicated complicity. European collaboration with Nazi Germany during World War II, Berlin/Boston 2021
- Laura Jockusch/Grzegorz Rossoliński-Liebe: Collaboration, Complexity, and »Integrated History«. Jewish and German Historiographical Representations of Non-German Perpetrators during the Holocaust, in: Polin. Studies in Polish Jewry (37) 2025, S. 332–357
- Dalia Ofer: Three Lines in History? Modes of Jewish Resistance in Eastern European Ghettos, in: Patrick Henry (ed.): Jewish Resistance Against the Nazis, Washington 2014, S. 366–392.