Prof. Dr. Bernhard Jussen (Professur Mittelalter I)

Prof'in. Dr. Dorothea Weltecke (Professur Mittelalter II)

Prof. Dr. Pierre Monnet

Prof. Dr. Jörg W. Busch

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Johannes Fried

Prof. em. Dr. Heribert Müller

 

Prof. Dr. Bernhard Jussen (Mittelalter I)

Die Forschungen im Rahmen der Professur Mittelalter I konzentrieren sich auf folgende Problemstellungen:

Computational Historical Semantics

Computational Historical Semantics ist ein Forschungsprojekt, das auf eine grundlegende Innovation im Bereich der Historischen Semantik wie der Digital Humanities zielt. Es ermöglicht, auf einfache Weise semantische Felder in digitalisierten Texten und Textreihen zu beobachten. Das Instrument wird in Frankfurt von der Frankfurter Textechnologie (Arbeitsgruppe Mehler) und der Frankfurter Mediävistik (Arbeitsgruppe Jussen) entwickelt, in Zusammenarbeit mit externen Partnern. Die zentralen Bausteine sind HSCM – Historical Semantics Corpus Management und das Frankfurt Latin Lexicon; finaniert aus Mitteln des Leibniz-Preises der DFG, der hessischen LOEWE Initiative und der eHumanities Initiative des BMBF. ... mehr ...

Politische Sprache im Mittelalter

Das Leibniz-Projekt erweitert die Diskussionen der politischen Theoriegeschichte und der Conceptual History um diskursgeschichtliche Perspektiven, indem es die sprachliche Verfasstheit der Texte ins Zentrum rückt. Aufbauend auf der Tradition der Historischen Semantik werden verschiedene neue Verfahren entwickelt und an Fallstudien erprobt. Neben computerbasierten Verfahren, einem besonders herausfordernden Hilfsmittel der Hermeneutik, geht es etwa um die Semantik von grafischen Strategien in Verwaltungsschrifttum, um die Herausbildung von Abkürzungen eines gruppensoziologischen Phänomens (Genese von Expertenkulturen), um die Beobachtung langfristiger semantischer Verschiebungen von Leitvokabeln, um die Wanderung von Semantiken durch Textsorten oder um die Veränderung des Vokabulars in großen Urkundenbeständen; finanziert aus Mitteln des Leibniz-Preises der DFG. … mehr

Verwandtschaft in der Vormoderne

Die Geschichte der europäischen Verwandtschaft zwischen Antike und Frühmoderne wird seit gut zwei Jahrzehnten fundamental neu interpretiert. Bislang hat sich noch kein neues ‚herrschendes‘ Forschungsbild durchgesetzt, auch hat die neue Deutung der Institution „Verwandtschaft“ noch kaum Auswirkung auf die Deutung der europäischen Institutionengeschichte insgesamt.
Im Kern laufen die Deutungen auf eine Umdrehung des bisherigen Geschichtsbildes hinaus: Verwandtschaft hat in den europäischen Gesellschaften vom frühen Mittelalter bis ins 15./16. Jahrhundert eine radikal andere Rolle gespielt als in vergleichbaren vormodernen Gesellschaften. Sie war alles andere als die politisch und sozial dominierende Struktur. Geradezu als „Entverwandtschaftlichung des Sozialen“ (déparentalisation du social) ist die Entwicklung nach dem Ende der römischen Antike gefasst worden. Das Leibniz-Projekt nimmt diese – im Kulturvergleich singuläre – Schwäche der Verwandtschaft im lateinischen, vormodernen Europa als Schlüssel, um insgesamt die Entwicklung politischer und kultureller Institutionen besser zu verstehen: von der spezifisch lateinisch-okzidentalen Form der Totensorge (Abkehr vom Konzept „Ahnensorge“), über die Wissensorganisation in der historisch besonders erfolgreichen Institution der Universität, bis zur Entstehung der politischen Formationen „Staat“ und „Republik“; finanziert aus Mitteln des Leibniz-Preises der DFG. … mehr

Ikonologie der Geschichtswissenschaft. Zur Bildlichen Formierung historischen Denkens in der Moderne

Die Geschichtswissenschaft entwirft ihre historischen Narrative nicht nur textlich, sondern auch bildlich. Spätestens in bebilderten Hand-, Studien- und Schulbüchern betreiben wir bildliche Historie, vertrauen unsere jeweiligen Geschichtsentwürfe zugleich dem Medium des Textes wie dem des Bildes an. Eine historische Epistemologie der Geschichtswissenschaft muss sich deshalb nicht nur mit den textlichen Diskursen der Disziplingeschichte befassen, sondern auch mit den bildlichen. Sie muss also Ikonologie der eigenen Disziplingeschichte betreiben. Eine solche Perspektive gibt es derzeit nicht. Um sie nicht nur anzustoßen, sondern auf eine breite empirische Grundlage für einen internationalen Vergleich zu stellen, werden in dem Projekt Ikonologie der Geschichtswissenschaft die Bebilderungsprogramme (d.h. alle bebilderten Doppelseiten) möglichst vieler illustrierter Nationalgeschichten seit dem 19. Jahrhundert aus verschiedenen exemplarischen Ländern digitalisiert. Intensiv werden zunächst deutsche illustrierte Nationalgeschichten gesammelt, aber auch ein großes Korpus französischer Nationalgeschichten, ferner – zunächst als „Probebohrungen“ – kleinere Korpora vieler anderer Gesellschaften (polnische, rumänische, englische, italienische, spanische, belgische Nationalgeschichten). Die Bebilderungen werden quantitativ ausgewertet, um Kanonbildung beobachten zu können, und auf ihre mediale, ökonomische und akademische Logik untersucht; finanziert aus Mitteln des Leibniz-Preises der DFG und des Excellenzclusters "Formation of Normative Orders". ... mehr ...

Erinnerungskultur und Gegenwartskunst

In diesem Arbeitsbereich geht es darum, akademische Verfahren der Intervention in Vergangenheitsimaginarien abzugleichen an zeitgleichen Interventionen, die mit ästhetischen Verfahren arbeiten (Bild, Video, Film, Theater, Musik). Wie greifen Akademiker in politische Diskussionen ein im Medium des Vergangenheitsentwurfs – im Rahmen welchen disziplinären Regelwerks, mit welcher gesellschaftlichen Funktion, mit welchen Möglichkeiten und Grenzen? Und wie greifen zur selben Zeit, in derselben Gesellschaft jene Zeitgenossen in die Vergangenheitsimaginarien ein, die sich anderer Verfahren (nämlich ästhetischer) bedienen? ... mehr ...

Transkulturelle Verschränkungen (Arabische Welt/Europa, Skandinavien/Byzanz/Europa)

Im Arbeitsbereich Mittelalter I sind verschiedene Forschungsarbeiten entstanden, die sich mit  transkulturellen Beziehungen befassen und mit kaum beachteten Eigensinnigkeiten in Großregionen jenseits der historisch kanonisierten Themen: mit dem Wissen der arabischen Autoren über Europa (Daniel König), mit den Eigenständigkeit „runischen Denkens“ in Skandinavien im Gegensatz zum dominanten Denkstil okzidentaler lateinisch-christlicher Autoren (Daniel Föller) und mit der Verschränkungen des skandinavischen Mittelalters mit der byzantinischen Kultur (Roland Scheel).

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Prof.'in Dr. Dorothea Weltecke (Mittelalter II)

Die Forschungen im Rahmen der Professur Mittelalter II beschäftigt sich mit folgenden Projekten:

Forschungsstelle für Aramäische Studien

Die Forschungsstelle für Aramäische Studien beschäftigt sich mit allen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens der Aramäer (in der Literatur oft als Syrer oder syrische Christen bezeichnet), sowohl in ihrem Ursprungsgebiet als auch in der Diaspora. Dies sind insbesondere Sprache, Literatur, Kunst, Geschichte, Soziologie und Migration unter besonderer Berücksichtigung der jüngeren Diasporaerfahrung. Die Forschungsstelle betreibt dies einerseits durch eigene Forschung, Lehre und Veröffentlichung von Publikationen. Andererseits initiiert, koordiniert und organisiert sie die Zusammenarbeit in- und ausländischer Universitäten, Institutionen und Fachkräfte und ihrer Forschungsvorhaben und Lehrveranstaltungen auf dem Gebiet der aramäischen Studien. Durch ihre Arbeit will die Forschungsstelle einerseits zu einem besseren Verständnis der religiösen Vielfalt im Nahen Osten in Wissenschaft und Gesellschaft beitragen, andererseits die Integration der Aramäer in Deutschland stärken und schließlich die Aramäischen Studien in Deutschland als Forschungsgebiet etablieren. ... mehr ...

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Prof. Dr. Pierre Monnet

Inhalt folgt. Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage des Intitut Français d'Historie en Allemagne.

 

Prof. Dr. Jörg W. Busch

Zu den Forschungsgebieten von Prof. Dr. Jörg W. Busch gehört bereits seit seiner Dissertation die mittelalterliche Rechtsgeschichte. Aktuell bearbeitet er zusammen mit Dir. Dr. Jürgen Treffeisen vom Generallandesarchiv Karlsruhe ein Regestenwerk zu den Urkunden der Stadt Neuenburg am Rhein, das bald mit einem ersten Band (1185-1350) erscheinen kann und dem ein zweiter Band (1351-1413) folgen wird, so dass der Zugriff auf wichtige Quellen für die oberrheinische Landes- und Städte- sowie Rechts- und Sozialgeschichte erleichtert wird. Weiter beschäftigt sich Prof. Jörg W. Busch mit kleineren Rechtsfragen und Überlieferungsproblemen rund um den sogenannten ‚Investiturstreit’, etwa der Einschätzung des Brixener Synodaldekrets von 1080. Schwerpunktmäßig sammelt er Material für die Überarbeitung seines kürzlich erschienenen EDG-Bandes ‚Die Herrschaften der Karolinger’, wobei er für die Übersendung von Sonderdrucken dankbar wäre.

 

Prof. em. Dr. Dr. hc. Johannes Fried

Zu den aktuellen Forschungsvorhaben von Prof. Dr. Dr. hc. em. Johannes Fried gehört die kommentierte Briefedition des deutsch-amerikanischen Historikers Ernst Hartwig Kantorowicz (1895-1963), in dessen Biographie sich zentrale politische und geistesgeschichtliche Entwicklungen des 20. Jahrhunderts verdichten: Kriegsfreiwilliger 1914, Freikorpskämpfer, Stefan George-Jünger, Ordinarius für mittelalterliche Geschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, jüdischer Emigrant, Vernunftrepublikaner sowie Gelehrter in Berkeley und Princeton. Die Briefe lassen die Ambivalenz von konservativer Weltanschauung und Ausbildung einer progressiven Methodik erkennen. Das von der DFG geförderte Projekt wird zusammen mit Robert Lerner (Chicago), Ernst Osterkamp (HU Berlin) und Ulrich Raulff (DLA Marbach) durchgeführt; Bearbeiter ist Janus Gudian M.A.

 

Prof. em. Dr. Heribert Müller

Im Rahmen seines Forschungsschwerpunktes konzentriert sich Prof. Dr. Heribert Müller auf die kirchliche Krise im Zeitalter des großen abendländischen Schismas und der Konzilien von Konstanz (1414-1418) und Basel (1431-1449). Neben der Arbeit an mehreren Spezialstudien, die weiterhin auf die Rolle der westeuropäischen Mächte in diesem Prozeß fokussiert sind, künftig aber auch das Reich stärker mit einbeziehen, steht vor allem der Abschluß eines größeren Werks im Zentrum, das sich mit der „Geburt der Nation aus dem Geist der Konzilien“ beschäftigt: Diese Versammlungen langer Dauer waren Begegnungs- und Knotenpunkte, indes auch Austragungsorte der Antagonismen und Konflikte der Zeit, und darüber trat aus dem bloßen Organisationsprinzip der Konzilsnation immer mehr das Profil der – unserem Verständnis von Nation nicht mehr fernen – (Partikular-)Nation hervor. Des Weiteren wird Prof. Dr. Heribert Müller als für die Ausgabe der „Deutschen Reichstagsakten (Ältere Reihe)“ zuständiger Abteilungsleiter der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften insbesondere in Kooperation mit Dr. Gabriele Annas den Abschluß der Bände 19/II-III sowie den Fortgang der Arbeiten an Band 20 begleiten. Schließlich will er sich im Rahmen eines Projekts „Morphome der Macht: Raum und Performanz – Rituale in Residenzen“ den Einzügen der burgundischen Herzöge in die Städte ihrer niederländischen Herrschaften widmen.

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