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Auf den Spuren von Salzsiedern, Mägden und Stadtschreibern: Im Archiv einer frühneuzeitlichen Reichsstadt

Übung und Exkursion nach Schwäbisch-Hall für Studierende und Promovierende der Goethe-Universität



Die Welt im Kasten. Guckkastenbilder als populäre Medien

Studierendenprojekt unter Leitung von Xenia von Tippelskirch und Mechthild Fend


Frankfurter Frühneuzeit Kolloquium

Aktuelle Forschungen zur Geschichte der Frühen Neuzeit im Sommersemester 2026

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Die Französische Karibik (1625-1803)

Übung, Mo. 1416h (c.t.), IG 3.501 (IG-Farben-Haus Westend)

Dozentin: Xenia von Tippelskirch

Die Präsenz Frankreichs hat die Geschichte der Karibikinseln im 17. und 18. Jahrhundert stark geprägt. Es war eine Zeit der Eroberung, Missionierung, Ausbeutung. In Plantagen wurden Versklavte eingesetzt, Indigene ihrer Freiheiten beraubt. Wissenschaftler eigneten sich naturkundliches Wissen an, um das Imperium zu befestigen. Auf Haiti kam es Ende des 18. Jahrhunderts zur ersten erfolgreichen Sklavenrevolte. Diese muss, will man die Reichweite der Französischen Revolution erfassen, immer mitberücksichtigt werden. Es ist eine historiographische Herausforderung, die Geschichte dieser Zeit zu erzählen, die Quellenlage ist häufig lückenhaft, lange Zeit wurden nur einseitige Narrative bedient. In den letzten Jahren ist allerdings eine Reihe interessanter Arbeiten erschienen, die eine genauere Lektüre lohnen.

In der Veranstaltung werden wir Quellenmaterial und neuere Literatur zum Thema kritisch diskutieren. Dabei bietet der geographisch umschriebene Kontext die Gelegenheit, sich grundsätzlich mit postkolonialen Geschichtsnarrativen auseinanderzusetzen. Französischkenntnisse sind von Vorteil, aber keine zwingende Voraussetzung für die Teilnahme. Bitte melden Sie sich vorab im zugehörigen OLAT-Kurs an.

Auf den Spuren von Salzsiedern, Mägden und Stadtschreibern: im Archiv einer frühneuzeitlichen Reichsstadt - Übung mit Exkursion nach Schwäbisch Hall

Übung, Do. 1012h, SH 5.108 (Seminarhaus Westend)

Dozentin: Xenia von Tippelskirch 

Schwäbisch Hall verfügt über einen hervorragend erhaltenen Stadtkern und reichhaltiges Archivmaterial, das den Blick öffnet auf die Funktionsweise einer frühneuzeitlichen Reichsstadt: Religion, Kriminalität, Kultur und die Bedeutung der Salzgewinnung für den Wohlstand.

Die in schriftlichen Quellen, materiellen Überresten und in der Architektur überlieferte Stadtgeschichte soll im Rahmen dieser Veranstaltung aus der Nähe erschlossen werden. Denn diese Übung wird nach einigen vorbereitenden Seminarsitzungen vier Tage lang nach Schwäbisch-Hall führen, wo Sie im Stadtarchiv praktisches Arbeiten an frühneuzeitlichen Quellen erlernen können. Geplant sind außerdem u.a. Besichtigungen des Stadtmuseums, der Sammlung Würth, des Klosters Comburg sowie signifikanter Stadthäuser. Die Ergebnisse der Erkundigungen werden im weiteren Verlauf der Veranstaltung für eine Veröffentlichung auf einem Blog vorbereitet. Die mit QSL-Mitteln unterstützte Exkursion ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme an der Veranstaltung. Eine Selbstbeteiligung in der Höhe von 150 Euro an den Kosten ist vorgesehen. Bitte melden Sie sich vorab im zugehörigen OLAT-Kurs an.

Termin Exkursion: Mo. 4.5. – Do. 7.5.2026

Neue Forschungen zur Geschichte der Frühen Neuzeit

Forschungskolloquium, Di. 18-20h, IG EG/457 (IG-Farben-Gebäude Westend)

Leitung: Andreea Badea, Birgit Emich, Xenia von Tippelskirch

Objekte der Verehrung und Verdammung. Zur Materialisierung von Religion in der Frühen Neuzeit

Übung, Do. 10-12h, IG 3.501 (IG-Farben-Haus Westend)

Dozentin: Xenia von Tippelskirch

In den Geschichtswissenschaften ist in letzter Zeit vermehrt eine Reflexion über die materielle Beschaffenheit historischer Überreste gefordert worden. Das „soziale Leben“ von Objekten steht insbesondere im Fokus religionsgeschichtlicher Forschung. Denn religiöse Gemeinschaften differenzier(t)en sich durch den Gebrauch von spezifischen Objekten. Beobachten lassen sich etwa charakteristische, mit Dingen verknüpfte Frömmigkeitspraktiken. Relikte und Reliquien sind zentral für religiöse Verortung. Zuweilen werden religiösen Dingen heilende Kräfte zugeschrieben, an anderer Stelle lassen sich spezifische emotionale Reaktionen auf Dinge beobachten. Konflikte führen häufig zum Verbot oder gar zur Zerstörung von zentralen Objekten (Ikonoklasmus).

In dieser Veranstaltung werden wir aus dem Kontext unterschiedlicher Religionen frühneuzeitliche Beispiele von sinnhafter Objektverehrung sowie Kritik an Objektgebundenheit rekonstruieren. Es geht dabei auch um grundlegende methodische Fragen: Was bedeutet es für unser historisches Arbeiten, wenn wir das Augenmerk auf Materialität richten? Welche Konsequenzen hat der Fokus auf Materialität für die Abgrenzung unterschiedlicher Konfessionen und Religionen?

Der französische Hof im 17. und 18. Jahrhundert: globale Macht und lokale Konkurrenz – Übung mit Exkursion nach Paris

Übung, Mo. 14-16h, SP 0.01 (Seminarpavillon Westend)

Dozentin: Xenia von Tippelskirch 

Der Französische Hof steht emblematisch für das Funktionieren frühneuzeitlicher politischer Repräsentation. Adel und Klerus handelten hier ihre jeweiligen Einflussbereiche aus – und mussten dabei gewissen Spielregeln sozialer Interaktion gehorchen. Lange hat man das Treiben am Hof als das Wirken lokaler Kräfte behandelt. Gleichzeitig stieg aber Frankreich im Laufe der Frühen Neuzeit zur Weltmacht auf. In der Veranstaltung soll es – im Anschluss an neueste Forschung – darum gehen, wie sich diese globale Expansion im höfischen Geschehen spiegelte. In der Übung lesen wir klassische und neuere Literatur zur höfischen Gesellschaft, beschäftigen uns mit zeitgenössischen Memoiren und Reiseberichten und informieren uns über diplomatische Gesandtschaften in Frankreich. Erklärtes Ziel ist dabei, nach Spuren kolonialer Geschichte zu suchen und sie mit den lokalen Entwicklungen am Hof zu verknüpfen.

Eine dreitägige Exkursion nach Paris ist Teil der Übung, dabei soll vor allem die Frage im Vordergrund stehen, wie heute die lokalen und globalen Kräfte, die in der Frühen Neuzeit für das höfische Geschehen entscheidend waren, in Ausstellungsdispositiven erinnert werden. Geplant sind der Besuch des Nationalarchivs, des Schlosses in Fontainebleau, des Musée de l'Homme sowie des Schlosses von Versailles (dort sehen wir u.a. eine aktuelle Ausstellung zum Besuch einer autochthonen Delegation aus Neufrankreich). Reisekosten, Übernachtungen, teilweise Verpflegung und Eintritte werden weitestgehend aus QSL-Mitteln finanziert, so dass der jeweilige Eigenanteil für die Seminarteilnehmenden voraussichtlich max. 200 Euro beträgt. Durch die Exkursion reduziert sich die Anzahl der Sitzungen im Laufe des Semesters. 

Termin Exkursion: 3.3. - 6.3.2026

Aktuelle Forschungen zur Geschichte der Frühen Neuzeit

Forschungskolloquium, Di. 18-20h, IG EG/457 (IG-Farben-Gebäude Westend)

Leitung: Andreea Badea, Birgit Emich, Xenia von Tippelskirch

Die Welt im Kasten. Guckkastenbilder als populäre Medien des 18. und 19. Jahrhunderts

Übung, 24.04., 08.05. + 24.07, jew. 10-13:00 Uhr, SH 3.103 (Seminarhaus Westend)

Dozentinnen: Xenia von Tippelskirch, Mechthild Fend

Guckkasten waren in der Regel aus Holz gefertigte Kästen, die mit einem oder zwei Löchern versehen waren, durch die Betrachtende dreidimensional erscheinende Bilder – im Französischen auch vue d’optique ansehen konnten. Die Illusion von Tiefe wurde zum einen durch eine perspektivische Darstellungsweise, mittels Linsen und Spiegeln sowie durch hinter den Bildern befindliche Lichtquellen (Kerzen) erzielt. Themen der Bilder – zumeist kolorierte Kupferstiche oder Radierungen – waren fremde Städte und Länder, historische Ereignisse wie berühmte Schlachten oder auch Naturkatastrophen. Betrieben wurden die Guckkästen oft von wandernden Schaustellern, die die wechselnden Bilder mit Erläuterungen begleiteten und gegen einen Obolus auf Jahrmärkten zur Aufführung brachten. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die wechselnden Einzelbilder zuweilen auch durch Bildstreifen ersetzt. Gedruckt wurden die für die Guckkästen gefertigten Bilder vor allem in Paris, London, Bassano del Grappa in Norditalien und Augsburg.

Im Rahmen der Übung werden wir zum einen den Guckkasten als populäres Medium in den Blick nehmen und in die Mediengeschichte des Kinos oder des Fern-Sehens einordnen. Vor allem aber interessieren uns die in großer Zahl erhaltenen Guckkastenbilder, ihre Darstellungstechniken (Verfahren des Illusionismus) und Motive. Dabei ist die Herausforderung aus kunsthistorischer wie historischer Perspektive, dass oftmals nicht überliefert ist, was auf den Bildern dargestellt ist und sie selten auf bekannten Ikonografien beruhen. Ziel der Übung ist es zum einen, einen Überblick über die Themenbereiche der Guckkastenbilder zu erarbeiten und zum anderen, methodische Strategien zu entwickeln, Motive zu identifizieren. Im Rahmen der interdisziplinären Übung werden wir nach Antworten auf folgende Fragen suchen: wie lassen sich Guckkastenbilder als historische Quellen untersuchen und wie lassen sich die populären Druckgrafiken kunsthistorisch einordnen?

Nach zwei Sitzungen, in denen wir uns in die wichtigste Literatur zum Medium Guckkasten und den dabei verwendeten Bildern einarbeiten und den restlichen Verlauf der Übung planen, werden die Sitzungen in verschiedenen Sammlungen stattfinden, darunter in der Universitätsbibliothek der Goethe Universität, im Historischen Museum Frankfurt und im Filmmuseum Frankfurt. Geplant ist außerdem ein Tagesausflug (Termin wird in der ersten Sitzung festgelegt) zur Besichtigung der umfangreichen Sammlung von Guckkastenbildern im Grafischen Kabinett der Kunstsammlungen und Museen Augsburg.

(Dis)ability in der Frühen Neuzeit

Übung, Mo. 14-16:00 Uhr, SH 5.107 (Seminarhaus Westend)

Dozentin: Xenia von Tippelskirch

Die Disability Studies haben das Bewusstsein dafür geschärft, dass Behinderung nicht einfach als eine Tatsache betrachtet werden darf, die durch eine klinische Studie festgestellt werden kann, als ein Leiden, das geheilt werden könnte, sondern dass die soziale und kulturelle Konstruktion von Behinderung hervorgehoben werden muss. Gefordert wird eine Entschlüsselung der sozialen und kulturellen Modelle, der Theorien und Bilder von Behinderung, der wissenschaftlichen Erkenntnisse und des Alltagswissens, der moralischen Zuweisungen und der mit der Situation der Behinderung verbundenen Sinndeutungen sowie der Sozialisationsformen. Schließlich wird immer wieder auf das komplexe Verhältnis zwischen Behinderung und Nicht-Behinderung hingewiesen, bei dem es nicht nur um dichotome Gegensätze geht, sondern auch um graduelle Übergänge.

Der Blick auf frühneuzeitliche Gesellschaften kann helfen, scheinbar Selbstverständliches in Frage zu stellen und nach spezifischen historischen Sozialisationsformen zu fragen. Im Laufe der Übung soll neue Forschungsliteratur zum Thema diskutiert werden. Im Fokus stehen außerdem frühneuzeitliche Quellen, die zeigen, dass in religiösen Kontexten ability mit sehr unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen zusammengedacht werden konnte.

Aktuelle Forschungen zur Geschichte der Frühen Neuzeit

Forschungskolloquium, Di. 18-12:00 Uhr, IG 3.401 (IG-Farben-Gebäude Westend)

Leitung: Andreea Badea, Birgit Emich, Xenia von Tippelskirch

Se souvenir - Erinnerungspraktiken, Gedächtniskultur Frankfurter Frankreich-Forschungen

Ringvorlesung, Mi. 18-20:00 Uhr, HZ 9 (Hörsaalzentrum Westend)

Organisation und Moderation: Xenia von Tippelskirch, Roland Ißler

Ob Medienwissenschaft, Kunstgeschichte oder Soziologie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft oder Ethnologie, Erziehungswissenschaft, Philosophie, Geschichtswissenschaft oder Romanistik: Zahlreiche Fachrichtungen an der Goethe-Universität befassen sich mit Frankreich. Unter dem Rahmenthema „Se souvenir“ richtet die Ringvorlesung den Blick auf Erinnerungspraktiken und die Gedächtniskultur unseres Nachbarlandes in Geschichte und Gegenwart. Vertreterinnen und Vertreter der genannten Fachdisziplinen thematisieren unterschiedliche methodische Zugänge und treten dabei ins Gespräch mit aktuellen französischen Forschungen. Der Überblick wird ergänzt durch Forschende der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris, Partneruniversität der Goethe-Universität.

Die erste Sitzung findet am Mittwoch, den 30. Oktober 2024 statt.


Imperiale Expansion Frankreichs (17.-19. Jahrhundert)

Seminar, Mo. 14-16:00 Uhr, IG 4.501 (IG-Farben-Haus)

Dozentin: Xenia von Tippelskirch

Koloniale Eroberungen in Nordamerika, der Karibik und von Pondichéry kennzeichneten die imperiale französische Politik im 17. und 18. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert suchte Frankreich seinen Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent zu vergrößern. Im Seminar soll es darum gehen, die demographischen Pläne, ebenso wie naturkundliches Wissen, die in diesem Rahmen relevant wurden, zu rekonstruieren. Begleitet wurde das imperiale Projekt stets durch den Einsatz von Missionar:innen. Religion, Rassekonzepte und Bevölkerungspolitik sollen im Fokus des Seminars stehen, gleichzeitig wird es darum gehen, zu erkunden, inwiefern auch Kolonisierte in historiographischen Narrativen zu Wort kommen können. 

Französischkenntnisse sind von Vorteil, aber keine Voraussetzung für die Teilnahme am Kurs.


Migration und Mobilität in der Frühen Neuzeit

Seminar, Mi. 10-12:00 Uhr, SP 1.03 (Seminarpavillon Westend)

Dozentin: Xenia von Tippelskirch

Temporäre und permanente Wanderbewegungen von einem Ort zum anderen, auf der Suche nach Saisonarbeit, um ‚Ungläubige' zu bekehren, auf der Flucht vor religiöser Verfolgung oder auch lukrativen Handel zu betreiben… entgegen einer landläufigen Meinung war die Epoche der Frühen Neuzeit durch Bewegung gekennzeichnet. Kaufleute, Soldaten, Missionare und Seeleute waren unterwegs, aber auch Versklavte, Vaganten und Bettler. Diese Personengruppen standen allerdings durchaus vor unterschiedlichen Herausforderungen. Im Rahmen der Übung wird neue Forschung zu Migration und Mobilität diskutiert, an ausgewählten Fällen können Motivationen, Probleme, Ausgangs- und Endpunkte der Ortswechsel nachvollzogen werden. 

Wegen der Buchmesse findet die erste Sitzung am 23.10.2024 statt.

Egodokumente und autobiographisches Schreiben in der Frühen Neuzeit

Seminar, Mo. 16-18:00 Uhr, IG 0.454 (IG-Farben-Haus)


Dozentinnen: Vera Faßauer, Xenia von Tippelskirch


Das Schreiben über sich selbst in der Frühen Neuzeit lässt sich zugleich als eine kulturelle, religiöse und literarische Praxis begreifen. Sehr häufig diente es der Bewältigung von inneren oder äußeren Krisen, die etwa durch Kriege oder durch religiöse Erfahrungen ausgelöst werden konnten; oftmals lag ihm das Bedürfnis zugrunde, anderen, sich selbst oder Gott Rechenschaft über das eigene Verhalten abzulegen; in anderen Fällen diente es dem Festhalten von Begebenheiten für sich selbst oder die Nachwelt. In fast allen Texten lässt sich das Self-fashioning des sozialen, konfessionellen oder des auktorialen Ichs beobachten. Das Seminar nähert sich dem Thema zugleich mit geschichts- und literaturwissenschaftlichen Analyseansätzen an. Es betrachtet Texte von Frauen und Männern aus drei Jahrhunderten, die aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten und Berufsgruppen stammten, und fragt nach Motiven und Umständen der Entstehung, nach ihren epochen-, standes- und geschlechtsspezifischen Eigenheiten sowie nach den Besonderheiten der textuellen und materiellen Form.

Im Rahmen dieser Veranstaltung sind zwei Sitzungen in der Universitätsbibliothek und im Historischen Museum mit Praxisbezug geplant. Hier haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, handschriftliche Selbstzeugnisse einzusehen und das praktische Arbeiten am konkreten Objekt einzuüben.


Schwangerschaft und Geburt in Texten und Bildern der Frühen Neuzeit

Seminar, Do. 10-12:00 Uhr, SH 2.102 (Seminarhaus)

Dozentinnen: Mechthild Fend, Xenia von Tippelskirch

Das interdisziplinäre Seminar bringt Kunstgeschichte und Geschichtswissenschaften zusammen und befasst sich mit Schwangerschaft, Geburt, Taufe und Kindsmord in der Frühen Neuzeit. Dabei werden medizingeschichtliche, sozial- und kulturgeschichtliche, körpergeschichtliche sowie bildwissenschaftlichen Zugänge angewandt und diskutiert. 

Das Seminar nimmt thematisch fokussiert die Frühe Neuzeit in verschiedenen europäischen Ländern (Deutschland, Italien, England, Frankreich) in den Blick und umfasst den Zeitraum von der Veröffentlichung der ersten Bücher zur Geburtshilfe (Rösslin, Der schwangeren Frauen und Hebammen Rosengarten, 1513) bis zur Medikalisierung der Geburtshilfe seit dem 18. Jahrhundert. Die historischen Akteur*innen sind aber nicht nur Hebammen und Ärzte, sondern auch Schwangere, Mütter, Säuglinge, sowie Künstler*innen und Druckgrafiker*innen. Quellen und Materialien reichen von Druckmedien einschließlich der Holzschnitte und Kupferstiche in illustrierten Büchern bis hin zu Fresken, von Gerichtsquellen und Selbstzeugnissen, zu dreidimensionalen Stoffmodellen für die Hebammenausbildung. Themen reichen von Fragen der Visualisierung der Schwangerschaft über den Kindsmord über Monster und Mole oder den „Skelettstreit“ des 18. Jahrhunderts hin den Stoff- Geburtshilfemodellen der französischen Hebamme Madame Coudray.

Einzelne Sitzungen werden voraussichtlich im Speziallesesaal der UB und in der Bibliothek des Dr. Senckenbergischen Institut für Geschichte und Ethik der Medizin stattfinden, wo wir mit historischen Atlanten zu Anatomie und Geburtshilfe sowie Faksimiles arbeiten können.

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Louisiana

Katholische Mission in Französisch Louisiana

Forschungsprojekt, Xenia von Tippelskirch

Die Geschichte religiöser Dynamiken in der französischen Frühen Neuzeit zu erforschen und zu unterrichten, bedeutet für mich, den Blick vom vermeintlichen Zentrum Paris oder Versailles in andere Gegenden zu wenden und der französischen imperialen Expansion Aufmerksamkeit zu widmen. Dabei nähere ich mich der Missionsgeschichte in Französisch Louisiana historisch-anthropologisch, mit einem Interesse für Wissenstransfer und für Spuren materieller, körperlicher Erfahrungswelten. Wendet man den Blick dann von der vermeintlichen Peripherie aus wieder auf die France métropole, lässt sich selbst Frankreich provinzialisieren. Hierbei geht es darum, Machtkonstellationen aufzuschlüsseln, sich über Lücken in der Erinnerungspolitik klar zu werden – und behutsam mit der Rekonstruktion von historical wounds umzugehen.

Friedrichdorf

Von der verlorenen Heimat in eine gemeinsame Zukunft. Erinnerung im Alltag von Hugenotten-Siedlungen in Hessen vom späten 17. bis zum frühen 19. Jh. 

Promotionsprojekt, Karoline Müller

Anhand von Friedrichsdorf, einer 1687 von Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg gegründeten Hugenottenkolonie, die bisher ausschließlich lokalhistorisch untersucht worden ist, wird der Einfluss der Flucht- und Exilerfahrung auf die Entwicklung einer neuen Gemeinschaft multiperspektivisch untersucht. Die SiedlerInnen unterschieden sich von den Einwohnern der Nachbardörfer durch ihre Herkunft, Kultur und Sprache, aber auch durch ihre Konfession. Dennoch waren sie an zahlreichen Austauschprozessen, besonders im Kontext von Handel, Handwerk, und bei Verhandlungen um gemeinsame Ressourcennutzung beteiligt. Gleichzeitig war Friedrichsdorf im Inneren keinesfalls homogen. Die Untersuchung verfolgt daher einen intersektionalen Ansatz, der auch Akteure sichtbar macht, die sich nicht in das beständige Narrativ einer hugenottischen Erfolgsgeschichte von schneller Prosperität und beispielhafter Integration fügen. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich von der Gründung der Siedlung bis zum frühen 19. Jahrhundert. Dabei wird der Wandel religiöser und kultureller Praktiken über mehrere Generationen berücksichtigt. Im Anschluss an aktuelle historische Diasporaforschung (Monge/Muchnik 2022) spielen Erinnerungspraktiken innerhalb der Gemeinschaft eine zentrale Rolle, die aus den individuellen Fluchterfahrungen und Erinnerungen an unterschiedliche Heimatregionen der SiedlerInnen eine imaginierte Heimat konstruierten. Zentrales Quellenmaterial bilden die sogenannten ‚Hugenottenakten' im Stadtarchiv Friedrichsdorf. Ergänzt werden sie durch Bestände aus weiteren hessischen sowie französischen Archiven. Die Untersuchung verspricht, den Kenntnisstand der Hugenottenforschung um eine Detailstudie der Exilerfahrung im ländlichen Raum zu erweitern, und zugleich einen Beitrag zur Erforschung von Migration, Integration und interreligiösem Zusammenleben in der Frühen Neuzeit zu leisten.

Joseph II, Nonne

Religion, Geschlecht und Caritas: Katholische Pflegeorden in Frankreich und im deutschsprachigen Raum (1600–1800)


Promotionsprojekt, Eva Riedlsberger


In der Frühen Neuzeit entstanden neue Formen des katholischen religiösen Zusammenlebens: in karitativ tätigen Orden konnten Frauen in einer von der römisch-katholischen Kirche anerkannten Weise arbeiten und ihre Religion ausüben. In dem Projekt soll anhand von ausgewählten pflegenden Frauenorden die Entstehung dieses neuen Ordenstypus nachvollzogen und dargestellt werden, dass pflegende Frauenorden in Frankreich und dem alten Reich an zentrale Schnittstellen der frühneuzeitlichen Entwicklung von pflegerisch-medizinischer Praktik, weiblicher Frömmigkeit und Geschlechtervorstellungen saßen. Durch eine komparative Analyse wird untersucht, welche strukturellen, sozialen oder theologischen Faktoren zur Entstehung dieser Orden beigetragen haben und wie es manche Gemeinschaften schafften, sich über weite Teile Europas und der Welt auszubreiten, während andere nur innerhalb enger regionaler Grenzen Erfolg hatten. Damit wird es möglich, lokale Spezifika sichtbar zu machen, zugleich aber auch überregionale Dynamiken zu identifizieren, die zur Entwicklung pflegender Gemeinschaften beitrugen.

Kollegianten

Indifferenz und Interesse: Die Relativierung religiöser Nomenklaturen in der Frühen Aufklärung

Promotionsprojekt, Andreas Häckermann

Die zunehmende Mobilität und Wissenszirkulation der Frühen Neuzeit kulminierten seit dem späten 17. Jahrhundert in Versuchen, das Wissen über die Religionen der Welt zu systematisieren und vergleichend zu nutzen. Vor allem in den konfessionell heterogenen und zensurpolitisch liberalen Niederlanden erschienen eine Reihe von Publikationen, die sich jenseits christlicher Deutungstradition positionierten, die europäischen Christentümer unter den Weltreligionen einreihten und damit ihre vermeintliche Überlegenheit infrage stellten. Zu den bekanntesten Zeugnissen gehört die Bild- und Textenzyklopädie Cérémonies et coutûmes des religions de tous les peuples du monde, veröffentlicht ab 1723 von den Amsterdamer Hugenotten Bernard Picart (Zeichner) und Jean-Frédéric Bernard (Autor und Verleger). Das Promotionsprojekt widmet sich einer kontextualisierten Analyse des Autors Bernard als Innovater eines konfessionell wie epistemologisch "indifferenten" Blicks auf äußerliche Religiosität im intellektuellen und religiösen Milieu der Niederlande. Gefragt wird nach den biografischen Einflüssen, den Lektüren Bernards, aber auch den zeitgenössischen religiösen Phänomenen vor Ort, die eine derartige Perspektivverschiebung in Richung wertender "Indifferenz" und distanziert-analytischem "Interesse" an Religionen jenseits konfessioneller Zwänge bedingten.

Religion and De:Toxification

Forschungsgruppe (Leitung: Birgit Emich, Roland Hardenberg, Hartmut Leppin, Xenia von Tippelskirch)

Die Forschungsgruppe „Religion und De:Toxifizierung“ befasst sich mit der aktuellen Debatte um „toxische“ Phänomene. Der Begriff „toxisch“ hat gewöhnlich eine normative, häufig verurteilende und meist emotionalisierende Dimension. Sowohl in der Alltagssprache als auch in der Wissenschaft wird der Begriff vor allem benutzt, um bestimmte Verhaltens- und Beziehungsformen als schädlich zu markieren. Die Forschungsgruppe will über solche Werturteile hinausgehen, um mit einer neuen historischen und kulturwissenschaftlichen Perspektive die Prozesse zu verstehen, die mit der Wahrnehmung, Diagnose und Bekämpfung eines „toxischen“ Phänomens einhergehen. Das Ziel ist es, zu einer wissenschaftlichen Analyse des Umgangs mit und der Diskurse über solche Phänomene zu gelangen.

Migration

Sonderheft der Zeitschrift L'Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft, hrsg. v. Xenia von Tippelskirch, Ulrike Krampl (Tours) & Kristina Schulz (Neuchâtel)

Das Thema Migration beherrscht erneut die politische Debatte, dabei fehlt historische Tiefenschärfe zumeist völlig. Eine transepochale Perspektive kann zeigen, dass Mobilität konstitutiv für menschliche Gesellschaften ist. In diesem Heft werden bislang unzureichend erforschte geschlechtsspezifische Aspekte in den Mittelpunkt der Untersuchung gerückt. Dadurch lässt sich Migration als historisch vielfältiges und vielschichtiges Phänomen charakterisieren – und das jenseits der geläufigen dichotomen Vorstellung von vermeintlich abenteuerlustigen Männern und sesshaften Frauen. Neu in den Blick geraten so Gründe, Formen, Räume, Organisation und Folgen von Mobilität. Die Beiträge beleuchten geschlechtsspezifische Aspekte von Arbeitsmigration, Migrationspolitik und Logiken der Herkunfts- und Aufnahmegesellschaften in einem innereuropäischen und transatlantischen Rahmen vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert.
Human Diversity Banner

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Human Diversity in Early Modern Religious Life

Conference, 26–27 June 2025 at Goethe-University Frankfurt, org. by Xenia von Tippelskirch & Karin Sennefelt (Stockholm)

Early modern religious life was characterized by the paradoxical nexus between the claim of universality and the principle of electedness. Universality had to be negotiated with the respective circumstances of social life. In the corporative society of the early modern period, social positioning played a major role; the intertwining of social status and the promise of salvation could lead to the stabilisation of social inequalities, but could also permit social mobility. Very concrete and practical questions had to be managed in this general framework, questions that determined who belonged to a specific religious community, what role, what position was to be given to different members of society, and who had a privileged relationship with the divine. But how were these decisions to be taken and to what extend did corporeal differences play a role? They were of key importance in the context of missions, imperial expansions and more generally in the confrontation of groups of competing religious denominations... 

Call for Papers

Conference Report

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Liberté, Égalité, Europa. Ringvorlesung zu Frankfurter Frankreich-Forschungen

(Wintersemester 2025/26)

Religion und Eskalation. Frankfurter Sommerkurz zur Geschichte der Frühen Neuzeit (28.-31.07.2025)

Strukturen und Pratiken politischer PartizipationEURETES-Sommerschule 2025 (10.-13.06.2025)

Se Souvenir. Erinnerungspraktiken –Gedächtniskultur. Ringvorlesung zu Frankfurter Frankreich-Forschungen (Wintersemester 2024/25)

Religion postkolonial? Frankfurter Sommerkurs zur Geschichte der Frühen Neuzeit (24.-26.07.2024)


Critical Fabulation und die Leerstellen in der Geschichte. Workshop zum methodisch reflektierten Umgang mit Überlieferungslücken (05.05., 12.07.2024)

Gespaltene Gesellschaft? La société est-elle divisée ? EURETES-Sommerschule 2024 (03.-06.06.2024)

Faire corps. Verkörperungen – Korporationen. Ringvorlesung zu interdisziplinären Perspektiven auf und aus Frankreich (Wintersemester 2023/24)

Intersektionen von Lebensalter und Geschlecht im Pietismus. Konferenz (Wolfenbüttel, 04.-06.05.2023)

Geschlechtergeschichte: Herausforderungen und Chancen, Perspektiven und Strategien. Positionspapier von Xenia von Tippelskirch gemeinsam mit Christina Benningshaus, Benno Gammerl, Maren Lorenz, Martin Lück