15. – 18. Mai 2025, Paris, EHESS
Io Josefine Geib, Nikolaus Freimuth
Foto: Christina Lipinska
"Wie das befragen, was scheinbar für immer aufgehört hat, uns zu erstaunen? Wir leben, wir atmen, wir gehen, wir öffnen Türen, wir gehen Treppen hinunter, wir sitzen an einem Tisch, um zu essen, und wir liegen in einem Bett, um zu schlafen. Wie? Wo? Wann? Warum?
Beschreiben Sie Ihre Straße. Beschreiben Sie eine andere. Vergleichen Sie.
Erstellen Sie ein Inventar Ihrer Taschen und Ihres Rucksackes. Fragen Sie sich nach der Herkunft, dem Gebrauch und dem Verbleib jedes einzelnen Gegenstandes, den Sie herausziehen.
Befragen Sie Ihre Löffel.
Was befindet sich unter Ihrer Tapete?
Wie viele Handgriffe sind nötig, um eine Telefonnummer zu wählen? Warum ist das so?
Warum gibt es keine Zigaretten im Gemüseladen? Warum nicht?"
So fragte sich 1973 der französische Autor Georges Perec. Hinter diesen Fragen, die zunächst banal erscheinen mögen, verbirgt sich der Wunsch nach Erkenntnis. Mit dem Begriff des „Untergewöhnlichen“ hat Perec einen Modus eingeführt, um einer Welt nachzuspüren, für die sich normalerweise niemand interessiert. Indem er uns dazu aufruft, bis ins Detail zu befragen und zu verzeichnen, was sich vor uns abspielt, auch das, was uns so selbstverständlich geworden ist, dass wir uns darüber nicht einmal mehr wundern, fordert Perec dazu auf, sich selbst fremd zu werden. Das ist weder für die Geschichts- noch die Sozialwissenschaften ein unbekannter Modus. Von Perec ausgehend liegt der Gedanke etwa an die Ansätze der dichten Beschreibung oder der Mikrogeschichte nahe, um nur zwei Beispiele anzuführen. Aber Perec geht noch weiter.
Welche Anregungen und Herausforderungen also können die Geschichts- und Sozialwissenschaften dem Perecsche Œuvre entnehmen? Diese Frage steht im Zentrum der deutsch-französischen Tagung "Retracer le monde – Penser avec Perec/Der Welt nachspüren – Denken mit Perec“. Wie? In interdisziplinärer Perspektive, mit Interventionen seitens von Expert:innen verschiedener Disziplinen, Diskussionen und der Überführung unserer gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis. (Arbeitssprachen sind Deutsch und Französisch.) Wo? In Paris (EHESS). Wann? Vom 15. bis zum 18. Mai 2025? Warum? Im Anhang finden Sie den Call for Participation.
Für Rückfragen jeder Art stehen wir gerne zur Verfügung. In der Hoffnung, viele von euch bei der Tagung begrüßen zu dürfen und mit herzlichen Grüßen,
Io Josefine Geib und Nikolaus Freimuth
Anmeldung bis zum 13. April 2025 unter der Mailadresse n.freimuth@stud.uni-frankfurt.de, Details siehe CfP.