Lothar Gall war seit 1975 bis zu seiner Emeritierung 2005 ordentlicher Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Goethe-Universität.
Mit seinen Forschungen zum europäischen Liberalismus und zur bürgerlichen Gesellschaft hat er wissenschaftliche Maßstäbe gesetzt. Die Biographie des „weißen Revolutionärs“ Bismarck machte ihn zudem über den Kreis der Fachwissenschaft hinaus bekannt. Die von ihm herausgegebenen wissenschaftlichen Handbuchreichen Oldenbourg Grundriss der Geschichte und Enzyklopädie Deutscher Geschichte begegnen allen Geschichtsstudierenden im Studium. 1975 übernahm er die Schriftleitung der Historischen Zeitschrift und holte damit deren Redaktion nach Frankfurt.
Für sein wissenschaftliches Werk erhielt Gall zahlreiche Preise, darunter 1993 den Preis der internationalen Balzan-Stiftung und 1987 den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, aus dessen Mitteln er am Historischen Seminar ein großes Forschungsprojekt zum Thema „Stadt und Bürgertum“ einrichtete. Daneben hat er weitere Forschungsprojekte gleitet, darunter die bei der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften angesiedelte Edition der Akten des Deutschen Bundes. Zudem war er wesentlich beteiligt an der Konzeption des von der DFG getragenen geisteswissenschaftlichen Forschungskollegs „Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel“.
Lothar Gall war 1997-2012 Präsident der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Kuratoriumsvorsitzender des Historischen Kollegs und Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Kommissionen. Von 1992 bis 1996 war er Vorsitzender des Verbandes der Historiker Deutschlands, zwischen 1992 und 1998 Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Ein ausführlicher Nachruf folgt.