Kooperationsprojekt mit der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München

Förderer: Fritz Thyssen-Stiftung

Projektbeginn: 01.07.2010

Bearbeiterin: Dr. Friederike Sattler

Projektbeschreibung

Alfred Herrhausen, der frühere Vorstandssprecher der Deutschen Bank, wurde von vielen Zeitgenossen aufgrund seiner persönlichen Ausstrahlung als Ausnahmeerscheinung unter den bundesdeutschen Managern wahrgenommen. War er, wenn man ihn heute mit zeitlicher Distanz kritisch zu würdigen versucht, möglicherweise sogar ein typischer „rheinischer Kapitalist“? Was überhaupt macht – historisch betrachtet – den „Rheinischen Kapitalismus“ aus? Dies sind zwei der zentralen Forschungsfragen des Projekts. Hauptziel dabei ist es, in Auseinandersetzung mit der Karriere des Industrie- und Bankmanagers Alfred Herrhausen die wesentlichen Elemente und den Wandel des „Rheinischen Kapitalismus“ herauszuarbeiten.

Alfred Herrhausen (1930 – 1989), wuchs im Milieu des katholisch geprägten Mittelstands seiner Heimatstadt Essen auf, besuchte eine NSDAP-Eliteschule und studierte nach Kriegsende Wirtschaftswissenschaften an der Universität zu Köln. Seine Karriere vollzog sich dann ebenso rasant wie das „Wirtschaftswunder“. Zunächst in der von kommunalen Interessen mitbestimmten Energiewirtschaft des Ruhrgebiets tätig, wechselte er 1970 in den Vorstand der Deutschen Bank, zunächst nach Düsseldorf, dann nach Frankfurt am Main. Sein Name verbindet sich mit der grundlegenden Neuausrichtung dieses Instituts auf die Herausforderungen des Europäischen Binnenmarktes und eine sich globalisierende Welt. Gleichzeitig engagierte sich Herrhausen immer wieder für eine Rückbesinnung auf die Ideale der „Sozialen Marktwirtschaft“ und bekannte sich tatkräftig zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmern. Im November 1989, auf dem Gipfel seiner Karriere, wurde er durch ein bis heute nicht ganz aufgeklärtes Bombenattentat ermordet.

Die Studie richtet ihr besonderes Augenmerk auf die in den vielfältigen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Tätigkeitsfeldern Herrhausens zum Ausdruck kommenden inneren Spannungen und wachsenden transnationalen Verflechtungen, die den Bestand des sozialpartnerschaftlich gebundenen, auf komplexe industrielle Wertschöpfung setzenden „Rheinischen Kapitalismus“ seit den 1970er Jahren zunehmend in Frage stellten.