Personalentscheidungen in Italien zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit: Kurie, Kirche und Kommunen

Mit der römischen Kurie nehmen diel Teilprojekte 1-3 eine Institution in den Blick, die Personalentscheidungen nicht nur in einzigartiger zeitlicher Kontinuität und mit nahezu globaler geographischer Reichweite, sondern auch für sehr unterschiedliche Aufgabenfelder trifft. So erlaubt es der Doppelcharakter des vormodernen Papsttums als kirchlich-spirituelle, zugleich aber auch weltlich-politische Institution, die Befunde der ersten Förderphase zur Vielfalt der Modi für die Frühe Neuzeit aufzugreifen und eine Kernfrage der zweiten Förderphase ins Zentrum zu rücken: Indem die Besetzung hoher kirchlicher Ämter mit der Vergabe von Schlüsselpositionen in Staatsverwaltung und päpstlicher Diplomatie vergleichend analysiert werden, gelangt in den Fokus, in welchem Zusammenhang die Anforderungen an bestimmte, funktional differenzierte Positionen, die Modi der Personalentscheidung sowie die Legitimation dieser Verfahren in Semantik und Zeremoniell stehen. Damit kann das Teilprojekt nicht nur die bisherige Lücke der FOR in der Frühen Neuzeit füllen helfen, sondern auch eine doppelte Brückenfunktion einnehmen: Chronologisch vermittelt es zwischen den Epochen, inhaltlich zwischen den Studien zu kirchlichen bzw. weltlichen Schlüsselpositionen. In enger Kooperation mit dem Teilprojekt zur Papstwahl dürfte aber auch deutlich werden, dass die spezifische Fragestellung der FOR der Erforschung von Papsttum und Kurie Neuland erschließt: Die Fokussierung auf die bislang nie systematisch untersuchten Modi kurialer Personalentscheidungen könnte, so die These, eine spezifisch römische Entscheidungskultur zum Vorschein bringen, die funktionale Ausdifferenzierung und Spezialisierung mit einem hohen Grad an Formalisierung verbindet, dabei aber auch Einbruchstellen des Informellen verarbeiten kann und mithilfe eines überwölbenden Zeremoniells die spirituelle Verankerung der Papsttums für alle Bereiche der Personalentscheidung legitimatorisch nutzbar macht.
Das in Kooperation mit Daniela Rando durchgeführte Teilprojekt 4 zum „Scheitern“ von Personalentscheidungen im Spätmittelalter widmet sich ebenfalls dem Vergleich kirchlicher und weltlicher Ämter, greift dabei aber noch dezidierter das Thema der Dynamisierung durch Scheitern auf, das auch für einige andere Projekte in der beantragten Phase zentral ist (Magistri Militum, byzantinisches Militär). Die enge Zusammenarbeit der beiden Projekte ermöglicht zudem den Vergleich von Praktiken und Institutionen in benachbarten geographischen Räumen zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Beide Projekte leisten schließlich einen Beitrag zur Erschließung der „Makro-Ebene“ der Entwicklung von Personalentscheidungskonstellationen.