Dr. des. Ralph Barczok

Lebenslauf

August 2019: Swenson Family Fellowship in Eastern Christian Manuscript Studies for Junior Scholars an der Hill Museum and Manuscript Library an der St. John’s University in Minnesota

2018: Promotion (summa cum laude). Promotionsschrift: „Die Vita des Josef Busnāyā. Eine historische Quelle des Nordiraks des 10. Jahrhunderts“

Seit Dezember 2017: Wissenschaftlicher Mitarbeiter (100 %) im Projekt „Dhimmis and Muslims – Analysing Mulit-religious Spaces in Medieval Muslim World

April 2017-November 2017: Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle für Aramäische Studien an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Dezember 2013-März 2017: Wissenschaftlicher Mitarbeiter (50 %) an der Forschungsstelle für Aramäische Studien an der Universität Konstanz

Dezember 2013-Dezember 2017: Promotionsstudiengang an der Universität Konstanz

Januar‐November 2013: Wissenschaftliche Hilfskraft an der Universitätsbibliothek Tübingen im Bereich Sacherschließung

August / September 2007: Studienaufenthalt im Kloster Mor Gabriel in der Türkei

2003‐2012: Studium der katholischen Theologie und „Sprachen und Kulturen des Christlichen Orients“ an der Eberhard‐Karls‐Universität Tübingen und am Institut Catholique de Paris

Promotionsprojekt

Die Vita des Josef Busnāyā. Eine historische Quelle des Nordiraks des 10. Jahrhunderts (abgeschlossen, Veröffentlichung in Vorbereitung)

In seinem Promotionsprojekt untersuchte Ralph Barczok die Vita des Josef Busnaya als Quelle für das alltägliche Leben im Nordirak (Kurdistan) des 10. Jh. Im Zentrum dieses Textes steht Josef Busnaya (+ 979), ein ostsyrischer Eremit und Mystiker, der in den Klöstern Rabban Hormizd und Beth Sayyare zwischen dem heutigen Dohuk und Amadiye wirkte. Der Schüler und ehemalige Sekretär des Heiligen, Johannes bar Kaldun, schrieb diese Biographie etwa zur Wende des 10. zum 11. Jh. am Ende seines Lebens. Sein Ziel war, das Beispiel und die Lehre des Heiligen den jungen Mönchen zu überliefern.

Bei der Arbeit handelt es sich um die erste größere Studie dieses aus verschiedenen Perspektiven wichtigen Textes. In ihm finden sich zahlreiche narrative Episoden und Paränesen, die die idealisierten Vorstellungen des Autors vom monastischen Leben darstellen. Gleichzeitig wird dieses Ideal durch zahlreiche Erzählungen, die das alltägliche Lebensumfeld der Mönche beschreiben, durchbrochen. So wird deutlich, dass bei scheinbar so streng geregelten Themen wie dem Tagesablauf, Fasten, Schweigen und Beten eine individuelle Gestaltung die Regel war. Auch waren die ostsyrischen Mönche entgegen der Bestimmungen in den monastischen Regelwerken sehr reisefreudig. Sie verließen das Kloster oft, nicht nur um offizielle monastische Angelegenheiten zu regeln, sondern auch, um andere Klöster und Mönche zu besuchen oder gar, um in andere Klöster überzusiedeln.

Schwieriger zu beurteilen sind Themen, die nicht im Zentrum des Interesses des Autors standen. So erwähnt er nur selten die wirtschaftliche Grundlage des Klosters oder das Verhältnis zu den Gruppen, die dem Kloster gegenüberstanden. Dies sind neben dem christlichen Gläubigen, die das Kloster als Pilger besuchten, hauptsächlich Muslime und Kurden. Obwohl zu diesen ein spannungsvolles Verhältnis herrschte, waren auch diese Gruppen selbst im Kloster als Gäste zugegen und nahmen die Hilfe der Mönche in Anspruch, so dass das Kloster als eine Begegnungsstätte von verschiedenen Kulturen und Religionen zu bezeichnen ist.

Das Ergebnis der Arbeit ist daher eine Momentaufnahme einer Zeit und Region, der allerdings durch die Natur der Quelle – ein hagiographischer, paränetischer Text mit historiographischen Zügen – Grenzen gesetzt sind.

NISIBIN - Forschungsstelle für Aramäische Studien