Zwischen Altem Reich und atlantischer Plantagenwirtschaft: Das Handelsimperium des Friedrich Romberg (1729-1819)

Ressel

Einer der wohl bedeutendsten Unternehmer des 18. Jahrhunderts war der aus Hemer in Westfalen stammende Friedrich (seit 1784 von) Romberg (1729-1819). Laut eigenen Angaben aus dem Jahr 1810 besaß er zu seinen besten Zeiten als Unternehmer um 1785 ein Aktivkapital von 20 Millionen flämischen Gulden, was laut allen bekannten Vermögensangaben aus dieser Zeit einen globalen Spitzenwert darstellt. Sicher ist, dass Romberg um 1785 eine Flotte von über 100 in Ostende registrierten Hochseeschiffen im globalen Einsatz hatte, insbesondere im Kolonial- und Sklavenhandel, aber auch im Mittelmeer- und Asienhandel. Zugleich besaß er mehrere Fabriken in den österreichischen Niederlanden, wobei die bedeutendste eine Kattundruckerei in Brüssel mit vielen hundert Beschäftigten war. Weiterhin hielt Rombergs Firma im europaweiten Transitgeschäft eine Spitzenstellung inne, da sie fast zollfreie Güterüberführungen zwischen Ostende an der Nordsee und Venedig oder Neapel am Mittelmeer anbot. Zuletzt war Romberg in der Hochfinanz durch Kreditvergaben an die französische und österreichische Krone tätig und auch Haupteigener der bedeutendsten Seeversicherung der österreichischen Niederlande in Brügge.

Das zentrale Ziel des Projektes ist die Analyse von Rombergs Firmenstrukturen und ihrer Operativität auf Basis des umfassenden Firmennachlasses, der sich vor allem in mehreren Archiven und Bibliotheken in Brüssel, Paris und Bordeaux befindet. Im Rahmen einer praxeologisch inspirierten historischen Unternehmensforschung sollen Aspekte der Bürokratisierung, der 'Entpersönlichung', der Ausdifferenzierung der Geschäftsfelder, der firmeninternen sowie –externen Semantik sowie die Prozesse von Entscheidungsfindungen im Mittelpunkt der Untersuchung stehen. Beim Romberg'schen Unternehmen scheint der diachrone Längsschnitt gut geeignet um die Entwicklung von 'modernen' Firmenstrukturen in der Sattelzeit (Koselleck) herauszuarbeiten. Die Firma, die um 1750 als eine schlichte offene Handelsgesellschaft der zwei jüngsten Brüder der mittelständisch-bürgerlichen Familie Romberg mit einem überschaubaren Grundkapital gestartet hatte, war um 1785 in mehrere große Unternehmungen mit eigenen Geschäftsführern aufgeteilt; sie nutzte die Techniken des damals modernsten Marketings mittels europaweiter Anzeigen in den Tageszeitungen und sie akquirierte anonyme Kapitaleinlagen für die Finanzierung ihrer speziellen Geschäfte – beispielsweise die Ausrüstung von Sklavenfahrten. Die Betrachtung der Firmenstrategie einer vertikalen Integration ihrer Geschäftsfelder – von St. Domingue bis Mittel- und Südeuropa – schärft dabei den Blick auf das mitteleuropäische "Slavery Hinterland" (Brahm/Rosenhaft 2016) und die engen Verflechtungen der europäischen Wirtschaftsstrukturen des 18. Jahrhunderts mit der Plantagenökonomie in der Neuen Welt.

Das Projekt wird von der Gerda-Henkel Stiftung sowie der Stiftung Alfried Krupp Kolleg Greifswald gefördert. Eine Videodokumentation zum Projekt findet sich hier.

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