Robert Wolff

Wissenschaftlicher Werdegang

  • Seit Januar 2018: Promotionsstipendiat des Evangelischen Studienwerkes Villigst
  • Seit Februar 2017: Lehrstuhl für Neueste Geschichte (Schwerpunkt: Geschichte Europas im 20. Jahrhundert)
  • Oktober 2016: Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien
    Titel der wissenschaftlichen Hausarbeit (Abschlussarbeit): Konzeptpapiere, Kampfschriften und Bekennerschreiben: Eine Untersuchung der schriftlichen Überlieferungen der RAF zwischen 1970 und 1998
  • 2011 – 2016: Studium Geschichte und Deutsch für das Lehramt an Gymnasien in Frankfurt am Main und Paderborn

Dissertationsprojekt

Die Revolutionären Zellen - Geschichte einer linksterroristischen Gruppierung?

Mit annähernd 200 Anschlägen waren die Revolutionären Zellen das aktivste, international am besten vernetzte sozialrevolutionäre Gewaltnetzwerk in der Bundesrepublik Deutschland. Obwohl dieser Befund bereits seit 1978 vom Bundesinnenministerium und dem Bundeskriminalamt geteilt wurde, ist das Gewaltnetzwerk der Revolutionären Zellen aus dem kollektiven, bundesdeutschen Gedächtnis nahezu völlig verschwunden. Eine Vielzahl von Aktionen und Anschlägen im Kontext von regionalen, nationalen und internationalen Solidaritätsbemühungen sind heute, im Gegensatz zu den Anschlägen der Roten Armee Fraktion, vergessen worden. Diese Feststellung trifft jedoch nicht nur auf das bundesdeutsche Kollektivgedächtnis zu. Auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der Revolutionären Zellen ist bisher fast ausnahmslos ausgeblieben.

Ziel der Dissertation ist es, ausgehend vom entstehungsgeschichtlichen Schwerpunkt mit dem regionalen Fokus auf die Stadt Frankfurt am Main, die bisher im Schatten der Roten Armee Fraktion entstandene Forschungslücke in Bezug auf die Revolutionären Zellen zu überwinden und eine umfangreiche Untersuchung und Neubetrachtung dieses weit verflochtenen politischen Gewaltnetzwerks im nationalen und internationalen Rahmen durchzuführen. Im Zentrum der Analyse steht die erstmalige Aufarbeitung der Organisationsgeschichte der Revolutionären Zellen auf der Micro (Mitglieder)-, Meso (Zelle)- und Makroebene (Gewaltnetzwerk). Neben der politischen Sozialisations- und Radikalisierungsgeschichte exemplarischer Mitglieder der Revolutionären Zellen soll untersucht werden, wie einzelne Zellen entstanden, wie diese mit anderen Zellen sowie mit der Gesellschaft kommunizierten und welche Bedeutung Gewaltanwendungen für die Konstituierung des Gewaltnetzwerkes besaßen. Weitere Schwerpunkte der Dissertation liegen auf der Rekonstruktion des staatlichen Handelns (genannt „Terrorismusabwehr/Terrorismusbekämpfung“) gegen die Revolutionären Zellen sowie auf der juristischen Aufarbeitung der Aktionen und Anschläge der Revolutionären Zellen. Dadurch soll der erste Teil der zentralen Fragestellung, wer und was waren die Revolutionären Zellen, beantwortet werden. Der anschließende zweite Teil zielt auf die Beantwortung der Frage ab, warum die Revolutionären Zellen vergessen worden sind. Hierfür wird die mediale, staatliche und gesellschaftliche Rezeption der Revolutionären Zellen in den Fokus genommen. In Anlehnung an Walter Laqueurs Aussage zur RAF, dass selten so viel über so wenige geschrieben worden ist, wird in Bezug auf die Revolutionären Zellen gefragt, warum so viel weniger über so viel mehr geschrieben wurde.

Anhand von durchgeführten Interviews mit ehemaligen Mitgliedern der Revolutionären Zellen und Zeitzeugen, durch die Auswertung bisher unbeachteter Literatur und Quellen sowie durch die Einbeziehung von staatlichen Ermittlungsakten wird das Forschungsdesiderat der Revolutionären Zellen erstmalig umfassend wissenschaftlich aufgearbeitet. Durch das Dissertationsprojekt soll die bisher auf die Rote Armee Fraktion fokussierte „linksterroristische Forschung“ erweitert und durch alternative Fragestellungen ergänzt werden. Zu Fragen gilt es unter anderem, ob die Formen der Gewalt, die von den Revolutionären Zellen ausgeführt wurden, dem framing „Linksterrorismus“ gerecht werden und ob das damit verbundene staatliche Handeln rechtsstaatlichen Prinzipien folgte.


Publikationen 

Aufsätze

Transnationaler Widerstand – Die internationalen Verflechtungen der Revolutionären Zellen, in: Adrian Hänni u.a. (Hrsg.): Über Grenzen hinweg, Transnationale politische Gewalt im 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2019.

Das Konzept Stadtguerilla – Die Entzauberung kommunistischer Guerilla- und Revolutionstheorien?, in: Arbeit – Bewegung – Geschichte. Zeitschrift für historische Studien 2 (2018), S. 105–116.

Rezensionen

Rezension v. Claus-Jürgen Göpfert und Bernd Messinger: Das Jahr der Revolte, Frankfurt 1968, Frankfurt am Main 2017, in: Francia-Recensio 2019/2. 

 

In Vorbereitung:

Herausgeberschaften

Junger Protest – Protestbewegungen und -kultur im 21. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2020 (zusammen mit Hanna-Lena Neuser und Maximilian Graeve).

Aufsätze

Frauenemanzipation als kollektiver Lernprozess innerhalb der Sponti-Bewegung? – Die Frauengruppe des Revolutionären Kampfes, in: Ingrid Artus u.a. (Hrsg.): Arbeitskonflikte und Gender, Münster 2020.

Folter und Mord an den „Helden des Volkes“ in bundesdeutschen Justizvollzugsanstalten? Das konspirationistische Weltbild der Roten Armee Fraktion, 1970-1977, in: Michael Butter u.a. (Hrsg.): Von Hinterzimmern und geheimen Machenschaften. Verschwörungstheorien in historischer Perspektive, Tübingen 2020.

Juristische Handlungsmöglichkeiten oder Rechtsbeugung aus politischen Gründen? „Anti-Terror-Gesetze“ und deren Anwendung im Kontext von strafrechtlichen Ermittlungen gegen das sozialrevolutionäre Gewaltnetzwerk „Revolutionäre Zellen“ in den 1980er Jahren, in: Martin Löhnig (Hrsg.): Juristische Zeitgeschichte der 1980er Jahre, Heidelberg-Tübingen 2020.


Vorträge

19.-20.03.2020: Juristische Handlungsmöglichkeiten oder Rechtsbeugung aus politischen Gründen? „Anti-Terror-Gesetze“ und deren Anwendung im Kontext von strafrechtlichen Ermittlungen gegen das Gewaltnetzwerk Revolutionäre Zellen in den 1980er Jahren, Vortrag im Rahmen der Tagung „Juristische Zeitgeschichte der 1980er Jahre“ (Universität Regensburg).

13.11.2019: Die Revolutionären Zellen – „Was war das gleich nochmal für ein Verein“?, Öffentlicher Vortrag im Rahmen eines Seminars zur Geschichte der RAF und der „bundesdeutschen Stadtguerilla“ (Universität Mannheim).

19.10.2019: Protestbewegungen und -kulturen in der Bundesrepublik Deutschland seit 1945, Vortrag im Rahmen der Tagung „Protest/kultur: Politisches Engagement Studierender gestern und heute“ (Evangelische Akademie Frankfurt am Main).

22.03.2019: Frauenemanzipation als kollektiver Lernprozess. Konstituierung und Zielsetzungen der Frauengruppe des Revolutionären Kampfes, Vortrag im Rahmen der interdisziplinären Tagung „Arbeitskonflikte und Gender“ (Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg).

07.12.2018: Eine terroristische Gruppierung im Schatten der RAF? Die Geschichte der Revolutionären Zellen in Hessen, Vortrag im Rahmen des „Arbeitskreises Hessische Zeitgeschichte“ (Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main).

18.06.2018: Vom Hoffnungsträger zum Feindbild: Willy Brandt und der deutsche „Linksterrorismus“, Vortrag im Rahmen des „2. Workshop für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung“ (Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung Berlin).

14.06.2018: Folter und Mord an den „Helden des Volkes“ in geheimen Konzentrationslagern? Verschwörungstheorien zu den Haftbedingungen der bundes-deutschen Stadtguerilla, Vortrag im Rahmen der Tagung „Von Hinterzimmern und geheimen Machenschaften. Verschwörungstheorien in historischer Perspektive (Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart – Tagungshaus Weingarten).

12.04.2018: Selbsthistorisierung der AkteurInnen der „68er-Bewegung“ als Problemstellung der Zeitgeschichte, Vortrag im Rahmen der Tagung „Die Bewegung ist tot – Viva la Revolución? Lebenswege nach 1968“ (Evangelische Akademie Frankfurt am Main).

17.11.2017: Die (un)populäre Guerilla: Historisierung der Revolutionären Zellen, Vortrag im Rahmen des „Hessischen Doktorandenkolloquium für Zeitgeschichte“ (Goethe-Universität Frankfurt am Main).

17.05.2017: Die Revolutionären Zellen – Geschichte einer linksterroristischen Vereinigung?, Vortrag im Rahmen des „Forschungskolloquiums RiesiKo“ der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (Goethe-Universität Frankfurt am Main).

04.07.2017: Das Konzept Stadtguerilla: „Entzauberung“ kommunistischer Ideen, Theorien und Konzepte, Vortrag im Rahmen der Tagung „Der Zauber der Theorie – Die Geschichte der Ideen in der Neuen Linken 1945 bis heute (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam).


 Moderationen/Diskussionen

19.10.2019: Hochschule als Basis? Raumveränderungen an Universitäten Lehrveranstaltungen, Podiumsdiskussion im Rahmen der Tagung „Protest/kultur: Politisches Engagement Studierender gestern und heute“, Evangelische Akademie Frankfurt am Main (TeilnehmerInnen: Angela Dorn, Wissenschaftsministerin Hessen; Prof. Dr. Birgitta Wolff, Universitätspräsidentin Goethe-Universität Frankfurt am Main; Johannes Fechner, Forum Kritische Wissenschaften).

09.03.2018: Wie die 68er die Generationen prägen, Diskussion im Rahmen der Tagung „‘Ernesto, sprach die Frau Mama…‘ Die 68er-Revolution gegen die Traditionen, Evangelische Akademie Frankfurt am Main (TeilnehmerInnen: Diether Dehm, Mitglied des Bundestages Partei Die Linke; Dr. Christin Sager, Universität Hildesheim).

30.11.2016: Von Frankfurt nach Entebbe, Moderation des Vortrags von Dr. Wolfgang Kraushaar und der anschließenden Diskussion im Rahmen der Sonderausstellung "Selektion von Entebbe?", Bildungsstätte Anne Frank Frankfurt am Main.


Organisation von Tagungen

19.10.2019: Protest/kultur: Politisches Engagement Studierender gestern und heute, Tagung in der Evangelischen Akademie Frankfurt am Main, gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung und Dr. Arthur Pfungst-Stiftung Frankfurt am Main (zusammen organisiert mit Hanna-Lena Neuser).

12.-13.04.2018: Die Bewegung ist tot – Viva la Revolución? Lebenswege nach 1968, Internationale Early-stage researchers-Tagung in der Evangelischen Akademie Frankfurt am Main, gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Evangelischen Studienwerk Villigst (zusammen organisiert mit Stina Kjellgren).