Ausstellungseröffnung in der Studiengalerie am 24.10.18: Sven Johne, "Anomalien des frühen 21. Jahrhunderts / Einige Fallbeispiele" (2015)

Mark Zuckerberg, Ted Kaczinsky, Edward Snowden – es sind bekannte, teils vertraute Gesichter, Porträts in goldenen Rahmen, die von der Wand blicken. Bei den hier gezeigten „Fallbeispielen“ von „Anomalien des frühen 21. Jahrhunderts“ handelt es sich um 17 Porträts, die Johne als JPGs unterschiedlichster Qualität aus dem Internet heruntergeladen hat. Diese werden durch 10 in Zusammenarbeit mit dem Autor Sebastian Orlac entstandene Texte ergänzt. Leicht versetzt unter den Porträts wirken diese Texte wie Aussagen der darüber platzierten Personen. Sie begleiten die Bilder, konstruieren durch das Arrangement eine Realität, fiktive Lebensläufe der Abgebildeten.

Die Text-Bild-Kombinationen von Johne und Orlac adressieren damit die neue Realität des Internet und vor allem der sozialen Netzwerke – die Möglichkeiten der Konstruktion des eigenen Images. Die „Fallbeispiele“, die Johne auswählte, sind Personen, deren Bekanntheitsgrad ohne das Internet nicht denkbar wäre. Sie sind die „Anomalien des frühen 21. Jahrhunderts“.

„Anomalie“ ist aus dem Griechischen abgeleitet und bedeutet zunächst „Unregelmäßigkeit“. Die „Fallbeispiele“ ragen als Extreme aus den Netzstrukturen unserer Gegenwart heraus. Manche leben im Einklang mit dem Internet, andere sind seine radikalsten Kritiker. Das Internet erscheint dabei in der Rolle des dominanten Systems unserer Zeit, und dies nicht nur in seiner digitalen Version. Mit der Personalisierung von Netzwerkstrukturen skizziert Johne ein abstraktes Porträt der Gegenwart, in dem verschiedenste Personen miteinander verbunden sind. Letztlich offenbart es auch uns Betrachter*innen, wie wir in diesem System sind, und hinterlässt uns mit der Frage, wie wir uns zu diesem verhalten. [Text: Ronja Gerstadt]

Die Ausstellung Anomalien des frühen 21. Jahrhunderts eröffnet am 24.10. um 20.00 Uhr in der Studiengalerie 1.357 im I.G. Farben-Haus. Der Galerieraum befindet sich im 1. OG, rechts. [Foto: Sven Johne  DZ Bank Kunstsammlung] [Okt. 2018]