Dr. Jenny Hestermann

Wissenschaftlicher Werdegang

  • Studium der Soziologie, Geschichte und Religionswissenschaft in Bremen und Paris
  • Juli 2009 Magister Artium
  • 2015 Promotion zum Dr. phil. am Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin
  • Thema der Doktorarbeit "Inszenierte Versöhnung. Reisediplomatie und deutsch-israelische Beziehungen von 1957 – 1984“ (veröffentlicht im Campus Verlag 2016)
  • 2010 bis 2013 Visiting Research Fellow an der Hebräischen Universität Jerusalem, Forschungsaufenthalt in Israel im Rahmen der Promotion
  • 2011 – 2014 Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes, Leo Baeck Fellowship
  • Januar 2015 bis Dezember 2017 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main im BMBF-geförderten Projekt zu deutsch-israelischen Beziehungen in den Geisteswissenschaften
  • Seit 2016 Gutachterin für die Studienstiftung des Deutschen Volkes
  • Seit April 2018 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im SFB „Schwächediskurse und Ressourcenregime“, im Projekt zu Diskursen um Krise und Niedergang Europas im 20. Jahrhundert

Forschungsschwerpunkte

  • Kulturgeschichte der Diplomatie
  • Geschichte des Staates Israel und deutsch-jüdische Geschichte
  • Deutsch-israelische Beziehungen
  • Europäische Geschichte nach 1945

Habilitationsprojekt

Der "Niedergang Europas" und die europäische Integration: europäische sowie außer-europäische Schwächediskurse seit den 1950er Jahren

Die formelhafte Beschreibung des „Niedergangs Europas“ stand an der Wiege der im Jahr 1957 gegründeten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und blieb auch in den nachfolgenden Jahrzehnten eine entscheidende Referenz für Stichwortgeber aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Publizistik, wenn es darum ging, das neue supranationale Rechtsgebilde „Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“ sowie seine Nachfolger zu legitimieren bzw. zu delegitimieren. Die Beteiligten an diesen Schwächediskursen sind auch gleichzeitig ihre Akteure: Europapolitiker, Angehörige der europäischen Gemeinschaftsbehörden sowie seit 1979 auch die Abgeordneten des Europaparlaments nahmen zu diesem Thema Stellung, wobei sie sich gleichzeitig einer wachsenden öffentlichen Beobachtung zivilgesellschaftlicher Vereinigungen sowie – seit den 1990er Jahren – ebenso der Kritik ihrer „anti-europäischen“ Gegner ausgesetzt sahen. Das Projekt hat zum Ziel, die europäischen Niedergangsszenarien systematisch zu untersuchen, fragt nach den treibenden Kräften dieser Debatten sowie deren Werthorizonten und politischen Affiliationen.

Der Fokus liegt mit Westdeutschland/Deutschland und Großbritannien auf zwei Ländern mit unterschiedlichen politischen Kulturen, deren Diskurse auf ihre politischen, ideologischen und intellektuellen Komponenten hin anhand ausgewählter Krisenmomente von 1957 bis heute untersucht werden. Zusätzlich bezieht das Projekt die Europadiskurse in Israel ein.

Sämtliche Teilnehmer an diesen Diskursen instrumentalisierten das Reden von Schwäche entweder zur Stärkung oder zur Einschränkung der Wirkungsmöglichkeiten des neuen Rechtsgebildes “Europäische Gemeinschaft“. Wie weit darüber Eskalationen in Gang kommen, verdeutlicht der Tatbestand, dass inzwischen selbst ein Auseinanderbrechen der Europäischen Union nicht mehr auszuschließen ist. Das Projekt versteht sich im Rahmen des SFB „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ als ein Beitrag zur transnationalen europäischen Geschichte.


Publikationen

  • Monographie

Inszenierte Versöhnung. Reisediplomatie und deutsch-israelische Beziehungen von 1957 – 1984, Frankfurt am Main 2016 (Dissertationsschrift)

 

  • Aufsätze

Vor der Diplomatie: Deutsch-israelische Wissenschaftsbeziehungen als „Brückenbauer“?, in: Jahrbuch des Simon-Dubnow-Instituts Bd. 15, Göttingen 2017, S. 399-418.

Beyond atonement: Remarks on the research paradigms in German-Israeli relations, in: Trumah, Zeitschrift der Jüdischen Hochschule Heidelberg, Heft 23, 2017, S. 37- 45.

Ein „Tag der tiefen Trauer“- Israelische Reaktionen auf den Umbruch in der DDR und die deutsche Wiedervereinigung, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Deutschland Archiv 2014, Bonn 2015, S.112-125.

Atonement or Self-Experience? On the Motivations of the First Generation of Volunteers of Action Reconciliation for Peace, in: Working Papers European Forum at the Hebrew University, Konrad-Adenauer-Stiftung (Hg.), Jerusalem 2014.

„Was war eigentlich mit der DDR?“, in: Dossier: 50 Jahre Deutsch-Israelische Beziehungen, Heinrich-Böll-Stiftung 2015 (online), https://www.boell.de/de/50-jahre-deutsch-israelische-beziehungen.

Deutschland und Israel. Stationen eines einzigartigen Verhältnisses. Eine kommentierte Quellensammlung für den Geschichts- und Politikunterricht, im Auftrag der Kultusministerkonferenz und der Israelischen Botschaft Berlin (Hrsg.), November 2015.

„Mehr als nur Konflikte“. Israel in deutschen Schulbüchern, Jüdische Allgemeine Zeitung  5.11.2015.

Rezensionen in

Historische Zeitschrift, Sehepunkte, Medaon, Einsicht- Bulletin des Fritz Bauer Instituts