Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2019/2020

Prof. Dr. Sybille Steinbacher
Täter, Verfolgte und Dritte. Drei Perspektiven auf Holocaust und Krieg

Seminar
Oktober 2019 bis 11. Februar 2020
dienstags, 12.00–14.00 Uhr, PEG 2G.094

Im Mittelpunkt des Seminars stehen die zeitgenössischen Kontexte sowie die politischen und gesellschaftlichen Dynamiken, die zur Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden im Zweiten Weltkrieg führten. Die Perspektive der Täter ist dabei ebenso bedeutsam wie diejenige der Verfolgten sowie die jener, die nicht unmittelbar am Mordgeschehen beteiligt waren, es aber aus eigener Anschauung beschreiben. Die Basis der dezidiert auf Quellenarbeit angelegten Veranstaltung bildet die Dokumentensammlung »Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945«; zwölf der auf insgesamt 16 Bände angelegten Edition sind bereits erschienen. Ihre Multiperspektivität zeichnet die Reihe ebenso aus wie ihre zeitliche Dimension und ihre geographische Reichweite, die das gesamte von Deutschland besetzte Europa umfasst. Die intensive Arbeit mit der Dokumentenedition wird das Seminar bestimmen. Der Fokus liegt auf den Jahren des Krieges, aber auch die Zeit der sozialen Ausgrenzung, Entrechtung und Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung im Deutschen Reich in der Zeit davor wird thematisiert. Ziel ist es, anhand der unterschiedlichen Dokumente das Kalkül der deutschen Täter zu erfassen, die soziale Wirklichkeit und die Handlungsspielräume der verfolgten Juden in ganz Europa zu erschließen, nach den Wahrnehmungen Dritter zu fragen und eine Reihe von weiteren Themensträngen zu erarbeiten, beispielsweise die Frage nach der Lage von Kindern und Jugendlichen im Holocaust.

Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Die Anmeldung ist ab dem 1.8.2019 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/7291338764/CourseNode/100025364324575

Einführende Literatur

  • Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden: Die Jahre der Verfolgung 1933–1939. Die Jahre der Vernichtung 1939–1945 (Taschenbuchausgabe des Gesamtwerks), München 2008 (zuerst 2000 u. 2006).
  • Ders.: Den Holocaust beschreiben. Auf dem Weg zu einer integrierten Geschichte, Göttingen 2007.
  • Raul Hilberg: Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933–1945, Frankfurt am Main 1992 (amerikanische Erstausgabe 1992).

Quellen

  • Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Herausgegeben im Auftrag des Bundesarchivs, des Instituts für Zeitgeschichte, des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg von Susanne Heim, Ulrich Herbert, Michael Hollmann, Horst Möller, Dieter Pohl, Sybille Steinbacher, Simone Walther-von Jena und Andreas Wirsching.

Prof. Dr. Sybille Steinbacher
Neuere Forschungen zur Geschichte und Wirkung des Holocaust

Forschungskolloquium
Oktober 2019 bis 11. Februar 2020
dienstags, 18:00–20:00 Uhr, SH 2.107

Im Forschungskolloquium werden laufende Untersuchungen und jüngst abgeschlossene Studien zur Geschichte und Wirkung des Holocaust vorgestellt und diskutiert. Es richtet sich an fortgeschrittene Studierende der Geschichte, an Examenskandidaten und -kandidatinnen, Promovierende, Habilitierende und wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Fachbereich Geschichte.


Dr. Tobias Freimüller
Nach dem Holocaust. Jüdisches Leben im Nachkriegsdeutschland

Übung
Oktober 2019 bis 11. Februar 2020
dienstags, 14:00–16:00 Uhr, PEG 1G.092

Nach dem Ende des »Dritten Reiches« und angesichts des Massenmords an den Juden Europas schien eine Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland zunächst unvorstellbar. Dennoch entstanden sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR wieder jüdische Gemeinden, nach einigen Jahren auch der »Zentralrat der Juden in Deutschland«. Die Geschichte jüdischen Lebens im Nachkriegsdeutschland kann als langfristig gelungene Geschichte von Versöhnung und Aufarbeitung verstanden werden, andererseits war sie geprägt von zahlreichen Skandalen und zuweilen verstörenden Fremdheitserfahrungen. In dieser Übung wird die Entwicklung jüdischen Lebens in Deutschland bis in die Gegenwart behandelt.   

Teilnahmevoraussetzung für die Übung ist die Einreichung regelmäßiger Lektüreprotokolle und die Übernahme eines Kurzreferats. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Die Anmeldung ist ab dem 1.8.2019 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/7272759303/CourseNode/93668888136022

Einführende Literatur

  • Michael Brenner (Hrsg.): Geschichte der Juden in Deutschland von 1945 bis zur Gegenwart. Politik, Kultur und Gesellschaft, München 2012.
  • Atina Grossmann: Juden, Deutsche, Alliierte. Begegnungen im besetzten Deutschland, Göttingen 2012.
  • Axel Schildt/Stefanie Schüler-Springorum/Irmela von der Lühe (Hrsg.): Auch in Deutschland waren wir nicht wirklich zuhause. Jüdische Remigration nach 1945, Göttingen 2008.

Dr. Jörg Osterloh
Die antibolschewistische Propaganda der Nationalsozialisten

Übung
Oktober 2019 bis 12. Februar 2020
mittwochs, 14:00–16:00 Uhr, IG 3.401

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und den Erfahrungen der Münchner Räterepublik war der Antibolschewismus in der Weimarer Republik weit verbreitet und mit Ausnahme der KPD Gemeingut aller Parteien. Vor allem die Nationalsozialisten setzten aber von Anfang an Bolschewismus mit Judentum gleich. Höhepunkt der antibolschewistischen NS-Propaganda war schließlich die Zeit des deutsch-sowjetischen Krieges 1941–1945. Die Übung betrachtet zum einen Theorie und Praxis der NS-Propaganda, zum anderen an ausgewählten Beispielen die Konjunkturen und Schwerpunkte der antibolschewistischen Propaganda des NS-Regimes.

Teilnahmevoraussetzung für die Übung ist neben der regelmäßigen Lektüre der bereitgestellten Quellen und Literatur die Übernahme eines Referats und eines Lektüreprotokolls. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Die Anmeldung ist ab dem 15.8.2019 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/7307198474/CourseNode/93668888136022?4

Einführende Literatur

  • Rosemarie Burgstaller, Inszenierung des Hasses. Feindbild-Ausstellungen im Nationalsozialismus, Frankfurt am Main 2019.
  • Norbert Frei, Dominik Rigoll (Hrsg.), Weltanschauung und Politik in Deutschland, Europa und den USA, Göttingen 2017.
  • Wolfram Meyer zu Uptrup, Kampf gegen die »jüdische Weltverschwörung«. Propaganda und Antisemitismus der Nationalsozialisten 1919 bis 1945, Berlin 2002.

Dr. Martin Liepach
Der Nationalsozialismus im Schulgeschichtsbuch

Übung
Oktober 2019 bis 14. Februar 2020
freitags, 14:00–16:00 Uhr, IG 4.401

Die Herausforderungen des Erinnerns und Gedenkens im öffentlichen Raum, der Frage nach Schuld und Verantwortung sowie des adäquaten Umgangs mit dem Nationalsozialismus zwischen Historisierung und Aktualisierung, vor allem in der Schule, werfen immer wieder neue Diskussionen auf. Schullehrbücher sind bedeutsame Medien der Geschichtskultur, die einer praxisorientierten Kritik unterzogen werden müssen. In dieser Übung werden einschlägige, jüngere Geschichtslehrbücher im Hinblick auf die Thematisierung des Nationalsozialismus und damit verbundener Themen analysiert. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf der Darstellung der jüdischen Perspektive, des Antisemitismus und des Verfolgungsaspekts bis zum Holocaust liegen. Die Analyse der Schulgeschichtsbücher wird Aspekte der historisch-sachlichen Faktizität und ihrer politisch-moralischen Bewertung mit den Formen ihrer didaktischen Umsetzung im Lehrbuch (Autorentext, Text- und Bildquellen, Arbeitsaufträge) verknüpfen. Eingangs der Veranstaltung erfolgt eine methodische Einführung zur Schulbuchanalyse.

Teilnahmevoraussetzung: Ausreichende historische Grundkenntnis über die zu behandelnde Epoche. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Die Anmeldung ist über OLAT möglich: https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/7380697096/CourseNode/93668888136022

Einführende Literatur

  • Deutsch-Israelische Schulbuchkommission (Hrsg.): Deutsch-israelische Schulbuchempfehlungen (Eckert. Expertise. Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung Band 5), Göttingen 2015.
  • Martin Liepach/Wolfgang Geiger: Fragen an die jüdische Geschichte. Darstellungen und didaktische Herausforderungen, Schwalbach/Ts. 2014.
  • Philipp Mittnik: Holocaust-Darstellung in Schulbüchern. Deutsche, österreichische und englische Schulbücher im Vergleich, Schwalbach 2017.