Die Schülerprojekttage Geisteswissenschaften (27./28.6.2017) sind ein gemeinsames Projekt von Nataša Bedeković (Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik), Frank Estelmann (Institut für Romanische Sprachen und Literaturen), Peter Gorzolla (Historisches Seminar) und Tobias Junker (Seminar für Judaistik) in Kooperation mit dem Studien-Service-Center der Goethe-Universität.

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht des Programms und der zu den jeweiligen Termin-Slots parallel angebotenen Praxiseinheiten.

  Di 27.6.2017 Mi 28.6.2017
9-10h Auftakt: Einführung und Gruppenzuweisung
Raum IG 311 (IG Farben-Haus, EG)
Überblick über das Studienangebot
Hörsaal HZ 9 (Hörsaalzentrum)
10-12h Erste Praxiseinheit
versch. Räume
Dritte Praxiseinheit
versch. Räume
12-14h Zweite Praxiseinheit
versch. Räume
Vierte Praxiseinheit
versch. Räume
14-14.30h  --- Abschluss und Evaluation
Raum IG 411 (IG Farben-Haus, EG)

Di 27. Juni 2017, 10-12h

Der Erste Weltkrieg im französischen Comic: zur kritischen Arbeit am kulturellen Gedächtnis

Dr. Frank Estelmann

In Frankreich sind Comicalben (= bandes dessinées) bei allen Altersgruppen viel beliebter als in Deutschland. Es gibt zahlreiche Comiczeichner, verschiedene Comicfestivals und zudem darf eine gut sortierte Comicecke in keiner Buchhandlung fehlen. Viele Zeichner haben sich in der jüngeren Zeit mit historischen Themen auseinandergesetzt und darüber vermittelt versucht, Einfluss auf das kulturelle Gedächtnis zu nehmen und einen Beitrag für die Diskussionen um eine angemessene Erinnerungskultur in Frankreich zu nehmen. Die laufenden 100-Jahr-Gedenkfeiern des Ersten Weltkriegs sollen in dieser Sitzung Anlass sein, sich anhand von neueren Beispielen mit dem Comic als Medium des kritischen Umgangs mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts zu beschäftigen.

Intermediale Aspekte bei Pablo Picasso

Jacqueline Jakobi Millán

Der Spanier Pablo Picasso (*1881- †1973) zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Moderne. Um1935 begann er neben seiner bildenden Kunst auch eigenständig poetisch hervorzutreten: In den folgenden Jahren verfasste er über 300 Prosagedichte, 2 Theaterstücke und verschiedene Schriften. Kann Picasso also auch als Literat angesehen werden?
Ohne Zweifel stellen die Schriften Picassos für den Leser eine Herausforderung dar. Man hält sie entweder für großartig und genial oder man ist der Auffassung, es handle sich um Verschwendung seines künstlerischen Talents – und tut sie daher als wirre Gedanken eines Künstlers ab.

Picassos Schriften sind zwar stark von seiner Malerei beeinflusst, dennoch sollten sie unabhängig davon betrachtet werden. Wie in der Malerei auch, verleiht Picasso seinen Texten einen unverkennbaren Stil. Zum Teil scheint seine Syntax an die Objets trouvés der Surrealisten zu erinnern. Nicht selten hat  die Syntax etwas von Collagen und bringt so Begriffe, Formen und Sinneindrücke auf eine Art zusammen, wie sie zuvor noch nicht assoziiert wurden. Entdeckt Picasso in Verbindung von Sprache, Schrift und Bild für sich also neue Ausdrucksmöglichkeiten? Wie geht Picasso schließlich mit Sprache oder eher mit Sprachen um? Entwickelt er durch Wortspiele und -kompositionen eine völlig neue Sprache? Schließlich schreibt, arbeitet und denkt Picasso auf Spanisch, Katalanisch und Französisch. Sind seine Texte, Reflexionen seiner biografischen Stationen in Andalusien, Galizien, Katalonien und Frankreich?

So wie Picassos Malerei, regen auch seine Schriften dazu an, sich mit der Funktionsweise der eigenen Wahrnehmungsprozesse auseinanderzusetzen. Wie kann beispielswese etwas Dreidimensionales Zweidimensional dargestellt werden? Anhand von ausgewählten Schriften und der Analyse seiner Kunstwerke soll der Frage nachgegangen werden, ob Picasso nun mit dem Pinsel in seiner Hand schreibt oder doch mit der Tuschefeder in seiner Hand malt.


Di 27. Juni 2017, 12-14h

Hebräisch. Eine alte und eine neue Sprache

Dr. Annelies Kuyt

Wieso ist Hebräisch sowohl alt als auch neu? Wie kommt es, dass heutzutage Hebräisch gesprochen wird? Was ist Hebräisch überhaupt für eine Sprache? Warum schreibt man sie ohne Vokale und wie funktioniert die Aussprache trotzdem?

Madonna und die Kabbala

Dr. Elke Morlok

Anhand von Videomaterial und Internetauftritten wollen wir Elemente der jüdischen Mystik, der Kabbala, in Madonnas Video-Clips anschauen und analysieren. Welche jüdischen Traditionen stecken hinter dem 72 buchstabigen Gottesnamen? Warum bindet sich Madonna  in ihrem Video zu "Die another day" Gebetsriemen um den Oberarm? Was hat Freud damit zu tun? Woher stammen Madonnas Ideen zu diesen Handlungen und Symbolen?
In diesem Zusammenhang wollen wir auch einen kurzen Blick auf das "Kabbalah Centre" und seinen medialen Erfolg werfen und uns fragen, warum so viele Hollywood Stars dieser postmodernen Mischung aus Esoterik, New Age, Popkultur und Kabbala folgen.


Mi 28. Juni 2017, 10-12h

Gedichtanalyse

apl. Prof. Dr. Bernd Zegowitz

Zu Grundkompetenzen eines literaturwissenschaftlichen Studiums gehört es, literarische Texte zu analysieren und sie dadurch besser verstehen zu können. Rhetorische Formen zu erkennen, Absichten des Schreibers zu erfassen oder zwischen den Zeilen zu lesen sind Fertigkeiten, die man aber nicht nur im Studium, sondern auch im alltäglichen Leben und bei jeder Sorte von Texten gut gebrauchen kann. Lyrik, die aufgrund befremdlich wirkender Sprache oder der nicht nachvollziehbaren Botschaft für Schüler und Studenten zunächst unzugänglich erscheint und deswegen oft auf Ablehnung stößt, eignet sich besonders, um diese Techniken und Methoden einzuüben und zu diskutieren.

Von Handschriften zum Buchdruck

Nataša Bedeković

Dass Gutenberg mit seiner Technik des Buchdrucks eine revolutionäre Erfindung gelungen ist, hat man schon oft gehört. Bücher gab es aber schon im Mittelalter. Doch was war daran so wertvoll,  dass ein Adliger sogar seine drei Häuser in Straßburg als Bezahlung für ein Buch gab? Wie wurden die produziert? Und was genau hat sich seit Gutenberg verändert? In der Sitzung kann man kostbare mittelalterliche Bücher kennenlernen und etwas über deren aufwendige Herstellung erfahren. Anschließend vergleichen wir die mittelalterlichen mit den modernen Büchern und diskutieren über die Folgen, die der Buchdruck (nicht nur!) für die literarische Produktion hatte.

Sind James Blunt und Bruno Mars Troubadours? Popstars heute und im romanischen Mittelalter

Martín Diz Vidal

In den Songs "You're Beautiful" und "Grenade" der beiden Popsänger James Blunt und Bruno Mars liegen Liebe und Leid dicht beieinander. Aber woher kommt eigentlich diese Tradition schnulziger Songs und wie kommen Männer, die doch eigentlich im Alltag so stark und unnahbar sein wollen, zu dieser gefühlsbetonten Ader, sobald sie sich dem Dichten und der Musik verschreiben? Wir begeben uns auf eine Entdeckungsreise zurück in das Mittelalter in Frankreich und Spanien, wo diese Art "Songs" schon äußerst populär war und vergleichen sie mit der Popmusik von heute. Und mit etwas Glück finden wir heraus, wie und warum man als Künstler so erfolgreich damit sein kann und ob es um mehr als nur um Liebe dabei geht...


Mi 28. Juni 2017, 12-14h

Geschichte und Film

Dr. des. Peter Gorzolla

Spielfilme und Dokumentationen sind in unserer Gesellschaft schon seit vielen Jahren die primäre Sozialisationsinstanz für historisches Wissen. Für viele Menschen bietet das Medium Film nicht nur den ersten Kontakt mit historischen Themen, bei den meisten bleibt es nach der Schulzeit auch der einzige Lieferant von Wissen über die Geschichte.
Die Forderung nach einer stärkeren  Auseinandersetzung mit der Geschichte im Film und mit dem Film in der Geschichtswissenschaft wird darum seit geraumer Zeit immer lauter – nichtsdestotrotz spielt das Medium bis heute eine eher marginale Rolle in der Schule und an der Universität. SchülerInnen, Studierenden und LehrerInnen fehlen daher meist die Kompetenzen für eine adäquate Arbeit mit dem Medium Film in der Geschichte.

Interessanterweise geht es in Debatten um dieses Thema fast immer nur um die adäquate Darstellung "der Geschichte". Hat Guido Knopp das nun richtig oder falsch gemacht...? Dem Film als Medium werden solche Behandlungen aber nicht gerecht - und hier liegt das grundsätzliche Problem begründet: Wer den Film als Medium nicht versteht, kann auch nicht kompetent über Geschichte im Film urteilen. Fangen wir gleich hier an, das zu ändern!

Piraten im Mittelmeer

Dr. Magnus Ressel

Piraten scheinen ein Fluch vor allem aus der Karibik des 17. und 18. Jahrhunderts zu sein, etwas von dem Europa weitgehend verschont blieb. Tatsächlich jedoch machten die "Barbaresken", Seeräuber aus Nordafrika seit dem frühen 16. Jahrhundert bis 1830 das Mittelmeer unsicher und kaperten die Schiffe aller europäischen Staaten. Die Mannschaften dieser Schiffe wurden zumeist nach der Kaperung in die nordafrikanische Sklaverei verkauft. Wir wollen durch ausgewählte Quellenbeispiele, einen Bericht einer Kaperung und anschließenden Überführung in die Sklaverei und einen Brief einer Mannschaft aus der Gefangenschaft in Algier an ihre Heimat, dem Phänomen näher rücken. Vielleicht gelingt es uns zu verstehen, warum das Mittelmeer ein Ort endemischer Unsicherheit und schweren Konflikten während der Frühen Neuzeit blieb.

Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, Vernehmung Albert Speers, 21. Juni 1946

Dr. Muriel Favre

Hitlers Stararchitekt gehörte zu den 21 nationalsozialistischen Amtsträgern, die von November 1945 bis Oktober 1946 im Nürnberger Justizpalast auf der Anklagebank saßen. Er wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt und tatsächlich erst 1966 aus dem Kriegsverbrechergefängnis Spandau entlassen. Seine Vernehmung am 21. Juni 1946 ist Anlass, über die Vielfalt der Quellengattungen in der Zeitgeschichte nachzudenken.