Das Projekt

Ikono

Wege zur bildlichen Formierung historischen Denkens

Warum Ikonologie der Geschichtswissenschaft? Die Geschichtswissenschaft entwirft ihren Gegenstand nicht nur im Medium des Textes, sondern auch in dem des Bildes. Historikerinnen und Historiker texten nicht nur, sie bebildern auch. Diese sehr simple Feststellung weist - nur ein wenig weitergeführt - auf eine epistemologische und methodologische Leerstelle hin, die tief in den approbierten Verfahren der Disziplin verwurzelt ist: Diskussionen zur Theorie und Methode historischer Erkenntnis beziehen sich stets auf das textliche Entwurfsdenken. Die Angemessenheit des bildlichen Entwurfsdenkens ist hingegen kein Thema. Der vor fast hundert Jahren entwickelte ikonologische Blick ist zwar in Ansätzen auch in die Diskussionen der Historiker eingesickert, aber auf sich selbst hat die Geschichtswissenschaft diesen Blick nicht gerichtet.

Eine Ikonologie der Geschichtswissenschaft arbeitet die bildliche Seite der Geschichtswissenschaft disziplingeschichtlich auf und verankert das Argumentieren in Bildsequenzen in den Methodendiskussionen. Wie haben Historiker und Historikerinnen der letzten ca. 200 Jahre in ihren Büchern Bilder eingesetzt? Auf welchem Weg kam ein bestimmtes Bild in ein bestimmtes Buch? Wie verliefen Kanonisierungen, welche Kräfte (nationale, politische, religiöse, ökonomische, technologische usw.) formten den Bilderhorizont einer Historiker- und Lesergeneration? Was hatten textliche und bildliche Erzählmuster miteinander zu tun, und welche Spuren hinterließen in den beiden Medien die großen politischen Umbrüche?

Ikonologie der Geschichtswissenschaft ist nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine politische Aufgabe. Historiker sind im politischen Diskurs besonders fest verankert, da historische Entwürfe Kerntechniken politischer Argumentation darstellen. Sie sind in Universitäten, Forschungseinrichtungen, Schulen und Museen flächendeckend präsent und werden über ein breites Spektrum zeit- und kulturspezifischer Medien massenhaft gestreut. Gerade das Bebilderungsreservoir geschichtswissenschaftlicher Hand- und Lehrbücher wird in viele außerwissenschaftliche Medien weitergereicht, nicht wenige Verbreitungsmedien funktionieren im Wesentlichen bildlich. So ist es besonders fahrlässig, den bildlichen Anteil geschichtswissenschaftlicher Entwurfsarbeit unkontrolliert zu lassen. Geschichtswissenschaftliche Bebilderungsgewohnheiten sind, gerade weil sie nicht ernst genommen werden, Beharrungsstrukturen. Hier werden Altlasten mitgeschleppt.

Das Projekt ist Teil des Exzellenzclusters The Formation of Normative Orders und arbeitet mit Mitteln des Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

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