Sarah Haßdenteufel

Neue Armut, Exklusion, Prekarität: armutspolitische Debatten im deutsch-französischen Vergleich, 1970-1990

Dem außergewöhnlichen Wirtschaftswachstum, das Frankreich und die Bundesrepublik Deutschland wie fast alle europäischen Länder in den drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt hatten, wurde durch die beiden Ölpreisschocks 1973 und 1979/80 ein jähes Ende gesetzt. Auf eine Zeit des spektakulären Wachstums folgte eine Periode der wirtschaftlichen Rezession, in der Arbeitslosigkeit zum Massenphänomen wurde und Armut sich auf weite Teile der Bevölkerung ausdehnte, die sich vorher entfernt von jedem Armutsrisiko geglaubt hatten.

Dieses Dissertationsprojekt möchte untersuchen, wie in der öffentlichen Debatte die Ausbreitung von Armut und Arbeitslosigkeit in einer Zeit der wirtschaftlichen Rezession kommunikativ aufgegriffen und verarbeitet wurde. In einer vergleichenden Länderstudie soll analysiert werden, wie in Frankreich und Deutschland die neuen sozialen Risiken kommuniziert wurden, welche Ursachen dafür konstruiert wurden und welche Lösungsmöglichkeiten für die Problematik der sogenannten Neuen Armut verhandelt wurden.

Das Dissertationsprojekt ordnet sich in den Bereich Politische Kommunikation als Konflikt um Normen des Graduiertenkollegs ein und ist dort Teil der Forschung zum Thema Soziale Sicherheit als kommunikative Konstruktion. Dort wird von der These ausgehend geforscht, dass in der Kommunikation über neue Risiken des sozialen Lebens die Hintergründe für die unterschiedlichen europäischen Wege der sozialen Sicherung liegen. Gemäß dieser These soll in diesem Dissertationsprojekt durch eine vergleichende Analyse der Kommunikation neuer sozialer Risiken in Deutschland und Frankreich versucht werden, Erklärungen für unterschiedliche sozialstaatliche Entwicklungen der beiden Länder seit den 1970er Jahren zu finden.

Erstbetreuer:

Prof. Dr. Marie-Luise Recker (Frankfurt/Main)

Zweitbetreuer:

Prof. Dr. Gustavo Corni (Trient)