Johannes Kraus

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Projekt „Der Staatsbildungskrieg vor Ort. Der Dreißigjährige Krieg in der Oberpfalz (Promotionsstelle)

 

Interessengebiete

  • Konfessionalisierung
  • Kulturgeschichte der Verwaltung
  • Mikrogeschichte und Historische Anthropologie

Dissertationsprojekt

Die Bedeutung des Krieges für die Entstehung des modernen Staates wurde in der Forschung lange Zeit vornehmlich auf der Makro-Ebene von Verfassung und Diplomatie diskutiert. Demgegenüber betrachtet die neuere Staatsbildungsforschung zunehmend ein „statebuilding from below“ (André Holenstein), das die staatsbildenden Effekte lokaler Aushandlungsprozesse von Herrschaft fokussiert. Um dieses Konzept auch für die die Frühneuzeit prägenden Kriegsphasen fruchtbar zu machen, möchte das vorliegende Projekt den Dreißigjährigen Krieg als „Staatsbildungskrieg vor Ort“ untersuchen. Anhand lokaler Herrschaftspraktiken in der Oberpfalz sollen die Wirkungen administrativer Kriegsbewältigungsstrategien überprüft werden: Waren sie lediglich geeignet, Akzeptanz für besondere Kriegsbelastungen wie Einquartierungen oder Kontributionen zu generieren, oder führten sie über den unmittelbaren Kriegszusammenhang hinaus zu einem dauerhaften Wandel im Umgang zwischen Obrigkeit und Untertanen? Dieser Frage soll das vorliegende Projekt in einer praxeologischen Perspektive nachgehen. Dabei sind herrschaftliche Amtsträger wie Untertanen als Akteure zu zentrieren, deren administrative Praktiken einen Wandel der Verwaltungskultur im Krieg erkennbar werden lassen. Anhand dieser Befunde wird dann zu klären sein, ob der Dreißigjährige Krieg auf lokaler Ebene die Voraussetzungen schuf, auf denen die beschleunigten Staatsbildungsprozesse des späteren 17. und 18. Jahrhunderts aufbauten.

Zur Person

  • seit Oktober 2015: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Projekt „Der Staatsbildungskrieg vor Ort. Der Dreißigjährige Krieg in der Oberpfalz (Promotionsstelle)
  • Oktober 2013 bis September 2015: Pastoraler Mitarbeiter bei der Katholischen Hochschulgemeinde Konstanz
  • Oktober 2013: Master of Arts mit der Arbeit: „‚aus antrieb des bösen feindes‘. Repräsentationen des Teufels in frühneuzeitlichen Kriminalprozessen und -narrativen
  • April bis Juli 2013: Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Geschichte der Religion (Prof. Dr. Dorothea Weltecke)
  • Juni 2012 bis September 2013: Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Neuere Geschichte (Prof. Dr. Jürgen Osterhammel – Leibnizpreis-Forschungsstelle  Globale Prozesse: 18.-20. Jahrhundert)
  • Oktober 2010 bis Oktober 2013: Studium der Geschichte an der Universität Konstanz
  • September 2010: Bachelor of Arts mit der Arbeit: „Das Verteidigungswesen der Reichsstadt Nürnberg in der Frühneuzeit“
  • Juli/August 2010: Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Neuere Geschichte I der FAU Erlangen-Nürnberg (Prof. Dr. Birgit Emich)
  • Juli 2008 bis August 2010: Stadtrundgangsleiter bei Geschichte für Alle e.V. in Nürnberg
  • Oktober 2007 bis September 2010: Studium der Geschichte und Pädagogik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

 

Publikationen

1) Das Verteidigungswesen der Reichsstadt Nürnberg in der Frühneuzeit, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 70 (2010), S. 65-86.

2) Tagungsbericht Mosaike der Legitimität: Akzeptanz und Legitimation jenseits des Nationalstaats. 04.07.2014-05.07.2014, Konstanz, in: H-Soz-u-Kult, 07.08.2014, URL: http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5495.

3) Zusammen mit van Elten, Kirsten A: Tagungsbericht Bekenner, Bekennen und Bekenntnis. Zugänge zu den Konfessionskulturen der Frühen Neuzeit. 5. Erlangener Sommerkurs zur Reformationsgeschichte. 27.07.2015-30.07.2015, Erlangen, in: H-Soz-u-Kult, 12.10.2015, URL: http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6201

4) Tagungsbericht Wallenstein. Mensch – Mythos – Memoria, 06.04.2017 – 09.04.2017 Nürnberg, in: H-Soz-Kult, 27.06.2017, URL: 
www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7197